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1. Adventsonntag

P. Paul feierte mit der Mariahilfer Kirchengemeinde am Sonntag, dem 3. Dezember um 10.00 Uhr einen feierlichen Gottesdienst zum 1. Adventsonntag.

Traditionell eröffneten die Scholamädchen den Adventgottesdienst mit dem Lied „Wir sagen euch an den lieben Advent“.

Pater Paul begrüßte die Gottesdienstbesucher und stellte den Advent als Zeit der „Erinnerung und Erwartung, der Vergangenheit aber auch der Zukunft“ vor. Dazu wies er auf die Übersetzung des Begriffs „Advent“ als „Ankunft“ des Herrn auf Erden hin. Mit dem Kommen des Messias habe Gott sein Versprechen erfüllt, das er einst Israel gegeben.

Danach segnete Pater Paul die Adventkränze und die Kerzen als Zeichen, dass Gott „der Ewige ist, dem auch diese kommende Zeit gehört“ und „das Licht, das alle Finsternis erhellen kann“.

Anstelle der Predigt verlas Pater Paul das Hirtenwort des Bischofs.

Vor dem Segen kündete Pater Paul an, dass der Weihbischof in der Erzdiözese München und Freising am 2. Adventsonntag um 10.00 Uhr mit der Mariahilfer Kirchengemeinde einen Gottesdienst feiern wird.

Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg wuchs auf dem Mariahilfberg auf und diente von klein auf in der Wallfahrtskirche als Ministrant. Er übernahm jahrelang beim Dreikönigsspiel die Rolle eines der Könige und beim Krippenspiel die des hl. Josef. Die Weihnachtsvorbereitungen in der Wallfahrtskirche begannen, wenn er vom Studium aus München zurückkam und die Lichterkette auf dem Christbaum befestigte. Aber da wartete auch schon Pater Norberts Hauptprobe für Weihnachten auf den Klarinettisten Rupert. Viele denken sicher auch an seine Primiz auf dem Mariahilfberg im Juli 2003. Am 2. Adventsonntag kommt nun Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg in seine Heimat-Wallfahrtskirche zurück.

Pater Paul erinnerte auch daran, dass nach dem Gottesdienst die letzte Möglichkeit gegeben sei, den Mariahilfer Adventsbasar zu besuchen. Dann bedankte er sich für das gemeinsame Gebet und erteile an alle den kirchlichen Segen.

Der alte, heilige Pförtner und der immer junge Glaube

HIRTENBRIEF zum 1. Adventssonntag 2017

aus Anlass des 200. Geburtstages von Bruder Konrad

Bischof Dr. Stefan Oster SDB

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

vor rund 180 Jahren haben die Menschen in der Umgebung von Parzham bei Bad Griesbach über einen jungen Burschen vom so genannten Venushof oft und oft gesagt: „Vom Venushof-Hansl müssen wir das Beten lernen.“ Hans Birndorfer hieß er, der zweitjüngste von zwölf Geschwistern auf diesem stattlichen Hof. Noch als Jugendlicher verlor er kurz nacheinander beide Eltern. Aber die Geschwister hielten zusammen und der tüchtige Hans sollte einmal den Hof übernehmen. Er war ein Mann der Innerlichkeit. Er liebte die Stille, verehrte Jesus und Maria und nahm treu am religiösen Leben der Zeit teil, besonders an den Wallfahrten. Zehn Jahre später, ab 1849, finden wir ihn dann fast ohne Unterbrechung in Altötting. Er hatte seinen ganzen Besitz aufgegeben und verschenkt und ist nun Kapuzinerbruder im Anna-Kloster. 41 Jahre lang – bis zu seinem Tod im Jahr 1894 – ist er dort Pförtner. Beinahe Tag und Nacht verbringt er in der kleinen Pfortenzelle im Gebet und in der Fürsorge für die Armen und die Pilger. Wenn ein solches Leben vielleicht vielen Menschen wie eine Art Gefangenschaft vorkommen mag, so ist es für Bruder Konrad der Ort seiner inneren Freiheit. Hier ist er angekommen und dient fortan seinem Herrgott und den Menschen. Hier betrachtet er voller Liebe fortwährend den Gekreuzigten: Das Kreuz ist mein Buch, sagt er und wächst von hier zum unermüdlichen Diener an den Bedürftigen, voller Geduld und Einfühlungsvermögen. Aber auch wie eine Art lebendiger, mahnender und leuchtender Hinweis darauf, wo der Mensch seine eigentliche Erfüllung findet. Bruder Konrad ist der wachsame Türhüter, von dem im heutigen Evangelium zum 1. Advent gesprochen wird. Er war immer bereit, seinem Herrn zu begegnen, vor allem in den Menschen, die zu ihm kamen.

Liebe Schwestern und Brüder, wir feiern in diesem Kirchenjahr den 200. Geburtstag unseres Heiligen Bruder Konrad, des großen Patrons unseres Bistums. Und wir begehen diesen Anlass in einer Zeit, in der wir uns viele Gedanken machen darüber, wie unser Bistum, wie

unsere Pfarreien und Einrichtungen einen guten Weg in die Zukunft finden können. Wir

haben einen Weg begonnen, einen Prozess, der zusammen mit einigen strukturellen Veränderungen vor allem aber ein Weg der geistlichen Erneuerung werden kann. Wir spüren

ja allerorten, dass heute viele unserer Priester und unserer Hauptamtlichen in der Seelsorge eine große Last von Verwaltungsaufgaben tragen. Hier wollen wir nach und nach wirksame Abhilfe schaffen durch Verwaltungszentren. Wir bemerken, dass vielerorts weniger Gläubige am kirchlichen Leben, besonders am Gottesdienst teilnehmen – und dass dieser Trend nicht einfach aufzuhalten ist. Daher suchen wir auch nach Möglichkeiten, wie vor Ort die Zusammenarbeit zwischen Pfarreien und Pfarrverbänden so gelingen kann, dass das gläubige Leben weitergehen kann und dass vor allem unsere Gottesdienste auch würdig und schön gefeiert werden können. Und wir alle spüren auch, dass der Glaube von den jungen Menschen schon lange nicht mehr selbstverständlich angenommen und übernommen wird, wie es vielleicht früher häufiger der Fall war. Der Glaube ist angefragt, herausgefordert – und wir fragen uns: Wie können wir ihn stärken? Wie können wir Fragenden helfen, Jesus wirklich kennen zu lernen? Wie können wir sie heute unterstützen, um sich für den Glauben auch selbstbewusst zu entscheiden und dann darin auch zu bleiben und weiter zu wachsen.

Wir haben uns umgeschaut, in unserem Land und auch in anderen Ländern – und haben

folgendes entdeckt: Überall, wo gläubiges Leben wächst, wo auch Pfarreien wachsen, dort

sind in der Regel drei Dinge zu finden. Erstens: Menschen finden sich in kleinen Gruppen

zusammen, um wirklich Glauben zu teilen im offenen, angstfreien Gespräch; um die Bibel

zu lesen, um miteinander zu beten – und um sich gegenseitig zu ermutigen, konkret mit

Jesus zu leben. Zweitens: Die Liturgie wird qualitätsvoll, schön und lebendig gefeiert. Die

Menschen spüren und leben einen Geist der Anbetung und der Freude an Gott. Und sie wollen, dass auch Außenstehende diesen Schatz neu oder wieder entdecken. Und drittens: Es

gibt eine wirkliche Fürsorge für Menschen am Rand, für Arme, Kranke, Einsame, Trauernde.

Liebe Schwestern und Brüder, ich möchte Sie daher in unserem Bistum ermutigen: Lassen Sie sich von den vielfältigen spirituellen Angeboten in unseren Pfarreien, Klöstern, Gemeinschaften und Verbänden anregen, um Ihren Glauben zu vertiefen. Oder suchen

Sie sich Menschen, mit denen Sie neu fragen können, wem Sie glauben, warum Sie glauben, was Sie glauben. Vielleicht regen Sie auch in der Pfarrei einen Glaubenskurs an. Es gibt dazu viele Möglichkeiten und Hilfestellungen auch vom Bistum, z. B. so genannte Alpha-Kurse oder die Kurse aus dem Programm „Wege erwachsenen Glaubens“ oder die Cursillo-Kurse und andere mehr. Überlegen Sie zusammen mit den Pfarrgemeinderäten und den Verantwortlichen vor Ort. Unterstützen Sie unsere Priester, unsere Haupt- und

Ehrenamtlichen dort, wo diese solche Angebote machen. Entdecken Sie neu den Schatz

der Anbetung, des schweigenden Daseins oder des Lobpreises vor Gott. Einfach da sein

können, mit Ihm und für Ihn – das wird für die, die es pflegen, immer neu zur Quelle der

Freude. Oder helfen Sie mit, tun Sie sich zusammen, um konkrete Not in Ihrem Ort zu entdecken und zu lindern, z. B. indem Sie einen Besuchsdienst für Bedürftige organisieren,

indem Sie Alleinerziehende unterstützen oder Flüchtlingen helfen und anderes mehr.

Unser Zeugnis lebt von der Liebe! Die Entdeckung, von Jesus und seinem Vater über die

Maßen geliebt zu sein, befähigt uns zur Antwort: Zur Treue im Gebet, zur Freundschaft mit

Jesus und zum Dienst am Nächsten. Jeder Glaube lebt aus dieser Liebe des Herrn. Helfen

wir auch einander, immer wieder neu zu dieser Quelle hin. Unser Heiliger Bruder Konrad

ist uns auf diesem Weg sicher auch im Himmel ein Fürsprecher und bleibend ein Pförtner.

Er möge uns die Tür aufschließen hin zu Jesus, zur Quelle der Freude, und er möge uns alle

darin segnen. Amen.

Passau, 1. Advent 2017

Dr. Stefan Oster SDB, Bischof von Passau