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1. Fatimatag

Am 13. Mai wurde in der Wallfahrtskirche der erste Fatimatag des Jahres 2016 mit einer festlichen Hl. Messe und einer anschließenden Andacht begangen. Als Hauptzelebrant fungierte Generalvikar Prälat Dr. Klaus Metzl und als Festprediger Diakon Dr. Hubert Pöschl.

Musikalisch untermalt wurden die Feierlichkeiten von der Mariahilfer Frauen- und Mädchenschola unter der Leitung von Frau Melanie Huber.

Pater Paul begrüßte alle Kirchenbesucher, den Hauptzelebranten Generalvikar Prälat Dr. Klaus Metzl, den Festprediger Diakon Dr. Hubert Pöschl, den Abt Pater Marianus Hauseder vom Stift Engelszell und seinen Mitbruder Pater Sebastian. Danach erinnerte er an die Botschaft von Fatima, den Aufruf zur Umkehr und Hinwendung zu Gott. Zuletzt ermutigte er alle, sich mit allen Sorgen und Probleme an die Gottesmutter zu wenden.

In seiner Predigt würdigte Diakon Dr. Hubert Pöschl Maria als die „Mutter der Barmherzigkeit“, denn jedes der Werke der Barmherzigkeit stehe auch für die Zuwendung Marias zu uns Menschen.

Da die Lichterprozession am Regenwetter scheiterte, fand die Andacht, die Pater Paul leitete,  in der Kirche statt.

Predigt Fatimagottesdienst Mariahilf

13. Mai 2016

 

Liebe Schwestern und Brüder!

wir haben uns heute, am Gedenktag Unserer Lieben Frau von Fatima hier versammelt, um gemeinsam Gottesdienst zu feiern. Als Gottesdienstgemeinde, als Gemeinschaft von Glaubenden, die der Glaube an Jesus Christus, unseren Herrn und Erlöser eint, stellt sich uns immer wieder, täglich aufs Neue, die Frage: Wie sollen wir miteinander umgehen, wie sollen wir unser Zusammenleben – auch über die Feier des Gottesdienstes hinaus – gestalten?

Wie können wir unser Miteinander gestalten, wie können wir uns gegenseitig beistehen, uns helfen und für einander da sein und uns gegenseitig stärken. Gegenseitig stärken: in den Belangen des Alltags, aber auch in der Festigung unseres Glaubens und in einem gottgefälligen Miteinander.

Wie Sie alle wissen, hat unser Heiliger Vater Papst Franziskus am 8. Dezember 2015 das „Heilige Jahr der Barmherzigkeit“ ausgerufen. Das Motto des Heiligen Jahres fasst zusammen, um was es bei diesem Jubiläum geht: Das aus dem Lukasevangelium stammende Wort „Barmherzig wie der Vater“ (Lk 6,36) lädt ein, diese Barmherzigkeit nach dem Vorbild des Vaters zu leben. Dieser ruft dazu auf, nicht zu urteilen oder gar zu verdammen, sondern zu vergeben und in geradezu maßloser Weise Liebe und Verzeihung zu schenken (vgl. Lk 6,37-38).

Und auch die Gottesmutter Maria ist nicht nur hineingenommen in die Barmherzigkeit des Vaters, sie ist selber zum Sinnbild für Barmherzigkeit geworden. So lautet schließlich eines ihrer Attribute „Mutter der Barmherzigkeit“. Und so hat der Heilige Vater Maria im Ankündigungsschreiben des Heiligen Jahres mit den Worten gewürdigt: „Kein anderer hat so wie Maria die Tiefe des Geheimnisses der Menschwerdung Gottes kennengelernt. Ihr ganzes Leben war geprägt von der Gegenwart der fleischgewordenen Barmherzigkeit.“ Und weiter: „Die Mutter des Gekreuzigten und Auferstandenen ist eingetreten in das Heiligtum der göttlichen Barmherzigkeit. Sie hatte zutiefst Anteil am Geheimnis seiner göttlichen Liebe.“

Doch in unserem Alltag ist es nicht einfach, sich vom Gedanken der Barmherzigkeit leiten zu lassen: oft sind wir unsicher und auch ratlos angesichts der Frage, wie wir diesem hohen Anspruch gerecht werden können, wie wir unser Miteinander und unsere Mitmenschlichkeit gestalten können.

Eine Hilfe hierbei können die sogenannten sieben geistlichen Werke der Barmherzigkeit sein, die ich Ihnen in kurzer Form vorstellen möchte.  Jedes dieser geistlichen Werke steht auch für die Zuwendung Marias an uns Menschen – und dass uns es gelinge, in ihrer Entsprechung zu leben, dazu dürfen und sollen wir auch die Hilfe der Gottesmutter erbitten.

Die erste Möglichkeit, barmherzig zu handeln, ist es, einen traurigen Menschen zu trösten. Jeder von uns begegnet früher oder später jemandem, der traurig ist, der aus irgendeinem Grund die Freude verloren hat. Das erste und wichtigste ist es, dass ich dies überhaut wahrnehme und mich dann nicht von ihm abwende, weil ich möglicherweise nicht weiß, was ich  sagen soll. Vielleicht reicht es als Anstoß in so einem Fall schon zu fragen: „Was liegt Dir denn auf dem Herzen?“.

Das zweite Werk der Barmherzigkeit ist es, Zweifelnde zu raten. Wer zweifelt, ist oft gelähmt und braucht eine Anschubhilfe, wo wie Auto, dessen Batterie sich entleert hat. Eine wirksame Starthilfe kann oft darin bestehen, ein erstes Stück des Weges mitzugehen – oder den anderen vielleicht auch sanft anzuschieben: „Du schaffst das! Komm, ich gehe den ersten Schritt mit Dir!“.

Daran knüpft das dritte Werk der Barmherzigkeit an: Unwissende belehren. Wie groß ist heute zuweilen die Not der Unkenntnis – nicht zuletzt in Glaubensfragen. Sagen Sie nicht, das sei nebensächlich. Ich denke es ist wichtig, wofür wir unseren Verstand, den wir von Gott geschenkt bekommen haben, einsetzen – also auch für unser Glaubenswissen.

Das vierte Werk der Barmherzigkeit ist es, einen lästigen Menschen geduldig zu ertragen. Das kann wirklich Nerven kosten. Da ruft jemand zur absolut unpassenden Zeit an – während des Mittagessens oder dann, wenn man gerade Ruhe haben will. Da hat jemand eine Frage oder eine Bitte, die aus unserer Sicht überhaupt nicht wichtig ist – aber der andere ist nun einmal wirklich beunruhigt. Wir hier im Kleinen Geduld übt, der lebt, der praktiziert Barmherzigkeit und Nächstenliebe. Gehen wir mit der uns von Gott geschenkten Zeit großzügig um und haben wir Geduld mit denen, die uns vielleicht lästig fallen.

Das fünfte Werk der Barmherzigkeit erfordert Mut: Sünder zu ermahnen und zu ermutigen, von falschen Wegen umzukehren. Das ist viel schwerer als mit dem Finger auf andere zu zeigen und sie Dritten gegenüber zu kritisieren. Zu einen Mitmenschen zu gehen und ihm/ihr zu sagen: „Du, es fällt mir zwar schwer, Dir das zu sagen, aber gerade weil Du mir nicht gleichgültig bist, muss ich Dir sagen: hier handelst Du falsch, hier schadest Du Dir selbst und anderen!“ – das ist mutig – und aber auch zugleich ein Zeichen echter Wertschätzung.

Das sechste Werk der Barmherzigkeit ist vielleicht das Schwerste: dem anderen bereitwillig zu verzeihen. – Wie schwer fällt uns das manchmal! Aber wie notwendig ist das auch: nur wer von Herzen verzeiht, findet auch selbst Frieden. – Und wer sich zumindest ehrlich darum bemüht, der kann auch so beten, wie Jesus es uns gelehrt hat: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigen“.

Damit sind wir auch schon beim siebten Werk der Barmherzigkeit: für die anderen zu beten. Wer betet, der schaut mit anderen Augen auf die Menschen. Auch Nichtchristen sind häufig sehr dankbar, wenn wir ihnen sagen: „Ich bete für Dich!“.  Tun wir es für einander, gerade dort, wo es Spannungen gibt, wo Beziehungen brüchig werden, wo andere Worte nichts mehr ausrichten! Beten, das können wir immer, auch dann, wenn sich der andere fürs erste von uns abwendet.

Liebe Schwestern und Brüder,

wir Menschen, und gerade in einer Gemeinschaft der Glaubenden, sollen Menschen sein, die nicht nur vom guten Miteinander reden, wir sollen Barmherzigkeit leben und dafür Zeugnis abgeben. Nehmen wir uns vor, mit einer dieser sieben aufgezeigten Möglichkeiten anzufangen – es liegt an jedem einzelnen von uns.

Nehmen wir uns ein Beispiel an Maria, der Mutter der Barmherzigkeit. Maria bezeugt, dass die Barmherzigkeit des Sohnes Gottes grenzenlos ist, dass sie alle erreichen möchte und niemanden ausschließt und bitten wir:

Möge Maria, die Mutter der Barmherzigkeit, die Zuflucht der Sünder, die Trösterin der Betrübten nicht müde werden, auch uns ihre barmherzigen Augen zuzuwenden.

Möge sie uns helfen in Jesus Christus, ihrem Sohn, in dem uns die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes erschienen ist, die göttliche Barmherzigkeit zu betrachten.

Möge sie uns helfen, unser Herz nach seinem Herzen zu bilden. Denn: „Selig sind die Barmherzigen! Sie werden Erbarmen finden.“  – Amen.