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4500 Kilometer Pilgerreise zu Fuß nach Jerusalem

4500 Kilometer Pilgerreise zu Fuß nach Jerusalem

Otto Klär, Johannes Aschauer und David Zwilling berichten vor über 250 beeindruckten Zuhörern von ihren Erfahrungen

 

 

Von Josef Heisl

 

Eine Open-Air-Nacht der besonderen Art erlebten über 250 Zuhörer im Innenhof von Mariahilf. Johannes Aschauer, David Zwilling und Otto Klär berichteten über ihren 4500 Kilometer langen Pilgerweg von Oberösterreich nach Jerusalem, der sie 2010 durch zehn Länder führte. Ein halbes Jahr waren sie unterwegs, an Heiligabend erreichten sie die Geburtskirche Jesu Christi in Bethlehem.

 

„Ich kriag a Ganslhaut”, erzählte der Ski-Abfahrtsweltmeister von 1974, David Zwilling, aus Abtenau bei der Vorstellungsrunde. Diesen Ausspruch habe er getan, als er die beiden Polizisten Aschauer und Klär zufällig traf und die ihm eröffneten, dass sie in drei Wochen zu Fuß nach Jerusalem pilgern. „Dürft i da eventuell mitgehen”, fragte Zwilling vorsichtig und obwohl den beiden nicht persönlich bekannt, luden sie ihn ein.

„Als Fremde gingen wir in meinem Heimatort Arbing weg, als Freunde kehrten wir zurück”, so Aschauer. Diese und viele Geschichten aus den sechs Monaten beschreibt Johannes Aschauer in seinem Buch „Auf dem Jerusalemweg” (Styria-Verlag), einer spannenden Lektüre, die auch tiefe Einblicke in Religiosität, zwischenmenschliche Beziehung und Grenzen der Belastbarkeit gibt.

Der Jakobsweg, den Aschauer und Klär auch schon gegangen sind, sei in aller Munde, bestens gekennzeichnet und touristisch erschlossen, berichteten die beiden. Der Weg nach Jerusalem sei dagegen voller Abenteuer, es bestehe immer die Gefahr, sich zu verlaufen und auch die Übernachtungsmöglichkeiten sowie die Verköstigung seien in den armen Regionen oft sehr spartanisch, die Menschen aber überaus freundlich. Außerdem machte die Hitze den Dreien auf ihrem Weg entlang der Klöster-Route bis Serbien, durch Skopje und anschließend auf den Spuren des Apostels Paulus und der Ritter des 3. Kreuzzuges sehr zu schaffen.

„Nur wo du zu Fuß warst, bist du wirklich gewesen”, dieses Goethe-Zitat war auch eine der Motivationen, neben den religiös-spirituellen Gründen, zu dieser Monstertour. „Natürlich waren wir nicht nur einmal so weit, aufzugeben”, berichtet Aschauer. Doch der Wille Jerusalem zu erreichen war zu groß und ebenso die Freude, einen Weg zu beschreiten, der Völker und Religionen verbindet. „Wir haben an vielen Orten gebetet, egal ob in Klöstern, Kirchen, unter freiem Himmel oder in Moscheen”, verriet Aschauer, der wie seine Begleiter bei dem Vortrag Gläubigkeit ausstrahlte.

Schon in der Vortragspause hörte man einzelne sagen: „Möchst du auch amoi nach Jerusalem geh, ich schoo.” Die Faszination hatte ergriffen, auch Generalvikar Dr. Klaus Metzl zeigte sich begeistert, besonders von den religiös-spirituellen Inhalten und Aussagen. „Das war nichts Touristisches”, meinte er. Da stecke Glaube dahinter, das seien stimmige religiöse Ansätze. Interessant seien auch die Gefühle, die Aschauer in seinem Vortrag nicht aussparte.

Die Drei berichteten auch von einem neuen Projekt, dem 7000 Kilometer langen Jerusalemweg von der Atlantikküste bei Santiago de Compostela über den Jakobsweg durch die Schweiz, Deutschland und Österreich, weiter auf dem gegangenen Weg durch Balkan und Türkei nach Jerusalem. Dieser Jerusalemweg soll als Friedensweg Europa und Asien verbinden, und für Anerkennung und Toleranz stehen, unterstreicht Johannes Aschauer seine Idee.

„Sechs Tage gehen bei 30 Kilometer Tagesschnitt und anschließend einen Tag ruhen”, das sei der Marschrhythmus auch durch die Türkei gewesen. Es gab Meinungsverschieden-heiten, doch die Kernbotschaft sei das „Wir” gewesen und dass man nie ohne dass der Disput ausgeräumt war zu Bett ging. Selbst die wochenlange Begleitung durch einen streunenden Hund, den die Drei „Blacky” tauften, baute Aschauer in Vortrag und Film ein. An den meisten Ortsschildern haben die Pilger ihr Logo angebracht, die rot-weiß-rote Flagge Österreichs mit der Aufschrift www.jerusalemweg.at.

Auch das Finale, der Marsch durch das noch nicht vom Bürgerkrieg zerstörte Syrien mit überaus sympathischen Menschen, der Blick vom Mosesberg in das gelobte Land und der Besuch der Taufstelle Jesu am Jordan brachte den drei Pilgern religiöse Erfahrungen. Krönender Abschluss waren die Ankunft am Heiligen Abend in Bethlehem, die Mitfeier der Christmette und der nächtliche Marsch nach Jerusalem, wo Aschauer, Klär und Zwilling in der Grabeskirche die Pilgerreise ergriffen beendeten. Beeindruckt war auch das Publikum in Passau, das trotz mitternächtlicher Stunde für den beeindruckenden Vortrag und die wunderschönen Bilder langen Schlussapplaus spendete.

 

(Quelle: PNP Nr. 173, vom Montag, dem 29. Juli 2013, Seite 24)