Am Freitag, 13. Mai, wurde in Mariahilf der erste Fatimatag 2011 gefeiert. Die Kirche bot zu wenig Platz, um alle Gläubigen aufnehmen zu können. Viele verfolgten auf dem Wallfahrtshof die Festmesse, die über Lautsprecher nach draußen übertragen wurde.
Schon um 18.30 Uhr versammelten sich Gläubige in der Wallfahrtsstiege, um gemeinsam mit Pater Eusebius den Sühnerosenkranz zu beten.
Die Gestaltung des Gottesdienstes hatte der Pfarrverband Passau-Altstadt übernommen. Dompfarrer Domkapitular Monsignore Helmut Reiner zelebrierte den Gottesdienst gemeinsam mit Generalvikar Dr. Klaus Metzl, P. Beniamin und P. Mirko. Er hielt auch die Festpredigt. Wie immer schloss sich dem Gottesdienst eine Lichterprozession auf dem Wallfahrtsweg an und zum Abschluss erteilte Domkapitular Reiner am Freialtar den eucharistischen Segen. Für die musikalische Umrahmung sorgte der Chor der Pfarrei St. Paul – St. Nikola unter Leitung von Herrn Leo Rose.
13. Mai 2011 – Fatimapredigt in Mariahilf von Domkapitular Monsignore Helmut Reiner:
Es war auf den Tag genau vor 30 Jahren. Mit zwei Bussen fuhren KAB Mitglieder aus der Diözese Passau zur deutschlandweiten Wallfahrt nach Rom. Anlass war der 90. Jahrestag der ersten Sozialenzyklika von Papst Leo XIII. (+1903) aus dem Jahre 1891: Die von mir geleitete Bus-Gesellschaft war gerade im Quartier im ehemaligen Kloster La Storta in Rom eingetroffen und ich räumte gerade meinen Koffer aus, als jemand aufgeregt an meine Zimmertür klopfte. Eine Ordensfrau stand draußen. In einer Mischung von Deutsch und Italienisch forderte mich eine brasilianische Nonne auf, mit ihr sofort zum Fernsehen zu kommen: „Es ist auf den Papst geschossen worden”. Das schreckliche Ereignis und die noch unabsehbaren Folgen prägten sich mir ein. Zudem war mir klar: Die am 15. Mai geplante Sonderaudienz für die KAB konnten wir vergessen, gar nicht zu reden von der Wahrscheinlichkeit, dass der Heilige Vater, den wir in seiner jugendlichen Frische noch von seinem Besuch ein halbes Jahr zuvor in Altötting in Erinnerung hatten, den Folgen des Attentats erliegen könnte. Eine Gedenkplatte ins Pflaster des Petersplatzes eingelassen, erinnert an dieses Datum: 13. Mai 1981. Wir alle wissen, wie es weitergegangen ist. Die den Papst operierenden Ärzte hatten keine Erklärung, warum das Geschoss, das sie dem Pontifex aus dem Bauch entfernten, seine Richtung änderte und damit nicht zum Tode führte.
Wir alle kennen das Wappen des vormaligen Erzbischofs von Krakau. Johannes Paul II. hat es konträr zur Meinung von Wappenkundlern auch als Papst beibehalten: ein großes M unter dem Kreuz und die Worte: Totus tuus – ganz dein. Karol Wojtyla, der in jungen Jahren durch den Verlust der Eltern und seines Bruders, durch die deutsche Besatzung seiner polnischen Heimat, durch einen Verkehrsunfall, schwerste Arbeit und Zeiten bohrenden Zweifels, Schweres aushalten musste, entdeckte in einer Schrift des französischen Priesters Louis Marie Grignion de Montfort, der 1716 verstarb und 1947, ein Jahr nach der Priesterweihe von Karol Wojtyla, heilig gesprochen wurde, einen wichtigen Satz. „Totus tuus ego sum, et omnia mea tua sunt” – zu deutsch: „Ich bin dein und all das Meinige gehört dir, mein lieber Jesus, durch Maria, deine heilige Mutter”. „Totus tuus”, diese Worte werden später nicht nur sein bischöflicher Wahlspruch, sie bleiben für ihn ein Leben lang Stoßgebet, auch in den Minuten, als er von den Schüssen auf dem Petersplatz zusammengesackt war und schnellstens in die Gemelliklinik gebracht wurde. Als er nach der schweren OP wieder ansprechbar war, erkundigte er sich nach dem Datum des Geschehens. Der 13. Mai ließ ihn sofort an Fatima denken. Er ließ sich auch die Unterlagen über die Geheimnisse kommen. Das vierte Geheimnis, das von Kardinal Ratzinger erst in den 90er Jahren veröffentlicht wurde, kann man auf das Geschehen am Peters- platz beziehen. Ein Jahr später wallfahrtete Papst Johannes Paul II. nach Fatima und dankte der Gottesmutter Maria für die Rettung. Die aus seinem Bauch entfernte Kugel wurde in die Krone der Gnadenmutter von Fatima eingearbeitet. Die Marienfrömmigkeit Johannes Pauls II. war immer mit Christus verbunden und biblisch/kirchlich verwurzelt. Er wusste: „Wenn ich den inneren Hunger der Menschen stillen will, muss ich wie Maria das Wort Gottes hören, im Herzen bewahren und darüber nachdenken”. Die 1987 veröffentlichte Marien-Enzyklika „Redemptoris Mater” ist eine Leitlinie in der Wahrheit über die Beziehung Maria und Kirche. Der Hl.Vater meinte in Fatima: „Sich Maria weihen, heißt sich helfen lassen”. Unser Bischof hat am vergangenen Samstag, 7. Mai, in Altötting unser Bistum Maria geweiht und die bayerischen Bistümer tun es auf dem Weg zum 100-jährigen Jubiläum der Marienweihe im Weltkriegsjahr 1917 in den folgenden Jahren. Wir tun es ganz im Sinne des am 1. Mai selig gesprochenen polnischen Papstes. Sein Todestag, 02. April 2005, war nicht nur der Vorabend des Sonntags der göttlichen Barmherzigkeit, sondern wie jeder erste Samstag eines Monats der Tag des Unbefleckten Herzens Mariens, dem er 1984 die ganze Welt geweiht hat. Wer sich Maria weiht, wer zu ihr betet und sie verehrt, lässt sich helfen auf dem schwierigen Weg des Glaubens. Wir sollen uns nicht nur mit einem mittelmäßigen Leben, einer minimalistischen Ethik und einer oberflächlichen Religiosität zufrieden geben. Für diesen schweren Weg brauchen wir Vorbilder. Wir brauchen die Heiligen als Wegweiser und Gefährten des Glaubens. Heilige sind Zeugen des lebendigen Gottes. Sie weisen durch ihr Dasein über das Vordergründige und Sichtbare dieser Welt hinaus. Sie stehen für einen letzten alles tragenden Sinngrund ein. Man kann in jedem Stand Gott lieben. Denn nicht der Lebenstand ist das, was uns von Gott entfernt, sondern das Böse. Als man ihm vorhielt, durch seine zahlreichen Heiligsprechungen würde die Heiligkeit inflationär, antwortete Johannes Paul II. mit einem Lächeln und der Bemerkung: „Beschwerden möge man an den Heiligen Geist richten, er sei an der großen Zahl von Glaubensvorbildern schuld”. Heilige sind nicht Menschen, die vollkommen und fehlerlos sind. Es sind Christen, die bei den Verpflichtungen und Aufgaben in dieser Welt Gott und ihr ewiges Ziel nicht aus den Augen verlieren. Papst Benedikt sagte am Fest Maria Himmelfahrt im Jahr seiner Wahl 2005: „Wir haben eine Mutter im Himmel. Weil sie in Gott und mit Gott ist, ist sie jedem nahe, sie kennt unter Herz, sie kann unsere Gebete hören, sie kann uns mit ihrer mütterlichen Güte helfen und sie ist uns, wie der Herr gesagt hat, als Mutter gegeben, an die wir uns in jedem Augenblick wenden können” Der Jugendkatechismus YOU CAT formuliert auf die Frage: Kann uns Maria wirklich helfen: Als Mutter Jesu ist Maria auch unsere Mutter, denn vom Kreuz herab hat er die ganze Kirche seiner Mutter anvertraut. Gute Mütter treten immer für ihre Kinder ein. Diese Mutter erst recht. Schon auf Erden setzte sie sich bei Jesus für andere ein. Es wird die Hochzeit zu Kana erwähnt und das gemeinsame Gebet mit den Jüngern im Abendmahlssaal vor der Geistsendung an Pfingsten (YC 85/148). Maria hilft uns, wie es im bekannten Lied „Meerstern, ich dich grüße“ ausgedrückt ist, in unserer tiefen Not. Diese ist so vielfältig wie es Menschen gibt. „0 Maria hilf“ ist nicht nur eine dringende Bitte an die Gottesmutter. Mariahilf ist hier in Passau ein seit fast vierhundert Jahren bestehender Gnadenort. In der Nachfolge des Kapuzinerordens sorgen sich seit neun Jahren die Paulinerpatres um das Wallfahrtsgeschehen. Ihnen gilt ein herzliches Vergelt’s Gott. Mit ihrer seelsorgerlichen Begleitung möge uns Maria zu Christus führen.













































