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Christkönigssonntag

Domdekan Dr. Hans Bauernfeind zelebrierte in der Wallfahrtskirche mit der Kirchengemeinde um 10.00 Uhr eine feierliche Hl. Messe. Am Altar zur Seite standen ihm der Generalvikar Prälat Dr. Klaus Metzl und Emeritus Dr. Emil Valasek.

„Denn in diesem Kirchenjahr durften wir erneut mit unserem Herzen und mit unserem Glauben erfahren: Er ist der Herr. Er ist unser Christkönig. An ihm orientieren wir uns. Diesem Herrn vertrauen wir uns an – im Leben, im Sterben und in Ewigkeit.“, stellte Domdekan Dr. Hans Bauernfeind zu Beginn der Hl. Messe fest. Die Entstehung und  Bedeutung des Christkönigsfest erläuterte der Domdekan in seiner Predigt.

Vor dem Segen wies er auf zwei wichtige Veranstaltung hin: auf das Adventansingen am Samstag, dem 1. Dezember, um 17.00 Uhr und auf den Adventsbasar, der auch nach der Hl. Messe geöffnet sei.

Für die musikalische Umrahmung sorgte der Kirchenmusiker von Mariahilf mit der Mariahilfer Frauenschola. Sie begleiteten die Hl. Messe mit bekannten Kirchenliedern, die in der Wallfahrtskirche immer gerne mitgesungen werden.

Festpredigt von Domdekan Dr. Hans Bauernfeind:

Schwestern und Brüder,

es soll ja auch heute nicht wenige Anhänger vom Bayernkönig Ludwig II. geben. Die Person dieses Königs fasziniert. Seine Bauten, seine Kunstsinnigkeit, aber auch seine geheimnisvolle Persönlichkeit haben eine magische Anziehungskraft. Kann dieser König heute mit dem Fest Christkönig in Verbindung gebracht werden? -

Nein!

Das Fest Christkönig ist kein Fest romantisierender Rückschau in die Geschichte. Es ist kein Fest, das die Monarchie verherrlicht. Auch stellt es sich nicht gegen die Demokratie.

Was aber bedeutet das Fest “Christkönig”?

Schauen wir zunächst auf seine Entstehung.

  • Papst Pius XI. hat den Christkönigssonntag im Jahre 1925 eingeführt. Dies geschah, weil es 1600 Jahre her waren, als das Konzil von Nizäa abgehalten worden war. Dort wurde im Glauben erkannt und entschieden, dass Jesus Christus wahrer Gott und wahrer Mensch ist. Er ist wesensgleich mit dem Vater. Jesus steht also auf gleicher Stufe mit dem Vater im Himmel. Wenn Jesus spricht, dann spricht der Vater im Himmel. Jesus ist das Wort, das Fleisch geworden ist, das ewige Wort, das Gott selber ist. In ihm ist Gott wirklich aus Liebe zu uns Mensch geworden.
  • Aber das Fest hatte damals noch eine weitere Zielrichtung. Im Jahre 1925 schaute man auf den Niedergang der Monarchien und die schreckliche Wirklichkeit des Ersten Weltkrieges zurück. Das Christkönigsfest war der Aufruf zu einer neuen Hinwendung zu Jesus Christus. Es richtete den Blick inmitten einer großen Orientierungslosigkeit, die gefüllt war vom Schauder und vom Horror der Unmenschlichkeit, hin auf den Herrn, dessen Königtum eben nie vergeht, der eine Wahrheit verkündet, die alle Ideologien überdauert, eine Wahrheit, die nach Gerechtigkeit und Leben strebt, nach dem, was Gott dem Menschen an Segen zugedacht hat.
  • In Deutschland hat das Christkönigsfest später noch eine Zuspitzung erfahren, weil es zugleich zum Bekenntnissonntag der Jugend geworden ist. Jesus sollte das Leitbild für die Jugend sein, nicht Hitler und die NS-Propaganda.

All das sind Zusammenhänge, die mit den Umständen der damaligen Zeit zu tun haben. Was aber ist darüber hinaus das Zeitlose, das immer Wirkende, die Frohe Botschaft dieses Festes?

  • Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und morgen. Er bleibt. Er ist Gottes Sohn. Er ist wahrer Gott vom wahren Gott. Wer sich an diesen Jesus Christus hält, hat die Mitte seines Lebens gefunden. Mit ihm zu leben, heißt ewiges Leben zu finden.
  • Im Evangelium antwortet Jesus dem Pilatus auf die Frage nach Jesu Königtum: “Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.”
    Wenn ich auf Jesus höre, mich an ihm orientiere, dann gehe ich nicht vergänglichen Ideologien und Zeiterscheinungen nach. Vielmehr stehe ich auf festem Grund und gehe den Weg Jesu – einen Weg der ewig wahr ist. Er leitet mich bei allem, was ich tue. Was er sagt, bleibt, hat Bestand, schützt die Würde und das Leben des Menschen, gibt dem Leben Sinn und Halt und erkennt die Schöpfung als Geschenk Gottes.
  • Wer auf Jesus hört, vernimmt seinen Ruf, zu ihm zu gehören. Wer diesen Ruf annimmt und auf Jesus hört, lebt in der Gemeinschaft der Kirche. Jesus ist die Mitte der Kirche. Ohne ihn gibt es sie nicht. Kirche und Jesus Christus gehören untrennbar zusammen.
  • Jesus Christus ist auch jetzt in dieser Feier der Messe die Mitte unserer kirchlichen Gemeinschaft. Er ist der, der wirksam handelt. Er ruft sie und mich, mit ihm Eucharistie zu feiern. Er betet zum Vater im Himmel, er bringt seine liebende Hingabe am Kreuz, seinen Tod, seine Auferstehung vom Tod und seine Himmelfahrt dem Vater im Himmel dar. Er schenkt uns Gemeinschaft mit seinem Vater. Er ermächtigt uns, mit ihm zu beten und zu handeln. Wenn wir als Mitfeiernde beten, knien, sitzen, singen, glauben, antworten oder wir uns mit Weihwasser bekreuzigen, wenn ich meinen Dienst als Priester ausübe, dann handeln wir – jeder auf eigene Weise – mit Jesus. Wir ehren Gott und bezeugen Jesus als die Mitte des Lebens. Wir sind gemeinsam Kirche – verbunden mit Jesus Christus – unserer Mitte
  • Jesus als die Mitte meines Lebens zu bekennen, ist höchster Ausdruck meines Glaubens. Jesus ist die Mitte der Kirche, die Mitte jeder gottesdienstlichen Feier. Jesus ist ebenso die Mitte einer Familie, die Mitte einer Jugendgruppe, die Mitte des Frauenbundes oder des Pfarrgemeinderates – es liegt an uns, ob wir ihm diesen Platz einräumen.
    Er ist die Mitte und der Maßstab für mein Handeln als Christ. Darum werde ich einmal für mein Leben vor ihm Rechenschaft ablegen. Er ist Richter – schon jetzt und beim Letzten Gericht. Aber meine Hoffnung ist groß, dass er auch barmherzig ist. Denn schon jetzt mitten im Leben verzeiht er, schenkt er neuen Anfang, macht Mut und richtet auf. Mein Vertrauen zu ihm, mein Glaube, wird mich retten. – Das ist die Frohe Botschaft des Christkönigssonntags. All das bedenken und feiern wir heute. Amen.