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Fatimatag

Der Fatimatag am 13. September begann um 18.30 Uhr mit dem Rosenkranz. Dem schlossen sich der Festgottesdienst und eine Andacht mit Lichterprozession an.  Die Festpredigt hielt Diakon Albert Achatz.

Pater Sebastian betete um 18.30 Uhr wieder den Rosenkranz vor. Gleichzeitig trafen sich die Frauen vom Katholischen Frauenbund Röhrnbach und Kumreut zum Abbeten der Wallfahrtsstiege. Diese beiden Gebetsgruppen und viele weitere Wallfahrer aus der Diözese Passau und aus dem österreichischen Nachbarland feierten gemeinsam in der Wallfahrtskirche die Hl. Messe und die Andacht. Zum Festgottesdienst begrüßte „Hausherr“ Pater Paul die vielen Wallfahrer und Marienverehrer und namentlich den Festprediger Diakon Albert Achatz und den Hauptzelebranten Generalvikar Prälat Dr. Klaus Metzl. Er freute sich auch über die Teilnahme des Katholischen Frauenbundes aus Röhrnbach und Kumreut. Dass Maria im Heilswerk Gottes auch heute eine herausragende Rolle spielt, darauf wies Pater Paul zu Beginn der Hl. Messe hin.

Gottes und Marias „Mitleid-Mitleiden“ für die Menschen zeigte der Diakon in seiner Predigt auf. Dabei bezog er sich auf den Evangelientext von der Erweckung des Jünglings von Naim und auf Jesu und Marias Rolle bei der Hochzeit zu Kana. Jesus habe den Menschen ihr Leben zurückgegeben, beziehungsweise sie vor einer lebenslangen Blamage bewahrt. Und gerade bei der Hochzeit zu Kana könnten wir sehen, wie wichtig für uns die Gottesmutter als Fürsprecherin sei, denn ihr Sohn würde ihr keinen Wunsch ausschlagen.

Nach dem Kommuniondankgebet zogen alle aus der Kirche zum Marienaltar im Wallfahrtshof, von wo aus sie sich zur Prozession über den Wallfahrtsweg formierten. Pater Paul hatte die Leitung der Gebete übernommen, und die Sänger wurden von den Mariahilfer Bläsern unterstützt. Zurück am Marienaltar im Wallfahrtshof beteten alle das Allerheiligste an. Abschließend erteilte Pater Paul mit dem Allerheiligsten den Eucharistischen Segen.

 

Predigt von Diakon Albert Achatz:

Hochwürdiger Herr Generalvikar Dr.Metzl, hochwürdige Mitbrüder im priesterlichen Dienst, Pater Paul und Pater Sebastian, liebe Marienverehrer und Mitchristen

In der Mitte des heutigen Evangeliums, sozusagen als Herz der Geschichte steckt der Begriff „Mitleid“. Häufig wird er heute etwas abschätzig verwendet und wir schauen mitleidig auf irgendwelche Versager oder Unglückliche herunter. Aber hier ist Mitleid wortwörtlich, buchstäblich zu verstehen als „Mit-Leid“ als „Mitleiden“.

Was war passiert? Der einzige Sohn einer Witwe ist gestorben. Das ist dramatisch, da es zu damaliger Zeit noch keine soziale Absicherung, sprich Witwenrente gab und somit ist der Sohn der einzige Ernährer seiner Mutter, den sie jetzt verliert. Es ist damit nicht nur der Sohn gestorben, sondern eigentlich auch die Mutter. Sie muss nun jede Hoffnung fahren lassen. Der Leichenzug ist also dabei, die Stadt Nain zum Friedhof außerhalb der Stadt zu verlassen. Trauer liegt auf den Gesichtern und die Gespräche sind verstummt. Viele Leute so heißt es begleiteten den Trauerzug.

Da kommt ihnen ein anderer Zug entgegen. Jesus – in seinem Gefolge seine Jünger und eine große Schar an Menschen, die an dem Leben Anteil haben möchten, das von Jesus ausgeht. Der Zug des Todes trifft am Stadttor auf den Zug des Lebens. Jesus hält den Tross des Toten auf, er sieht die trauernde Mutter, eine verlorene Witwe. Sie trauert um ihren einzigen Sohn, der wie gesagt, ihre Absicherung bedeutet hätte, ihre Zukunft –Leben! und Jesus hat Mitleid mit ihr. Gerade sie braucht sein Mitleid, seine Hilfe, denn sie ist ohne jegliche Hoffnung, ohne eine Zukunft und auch ohne Leben. Ihr gibt Jesus mit dem Sohn das Leben zurück, das er für alle Menschen will. Mitleid aus Liebe zu uns Menschen – eine der großen Eigenschaften Gottes. Aus „Mit-Leid“ mit der Menschheit, ist er – um uns zu erlösen – sogar selber Mensch geworden und hat mit uns und für uns gelitten, sogar bis zum gewaltsamen entwürdigendem Tod am Kreuz.

Und mit Mitleid beginnt auch die Offenbarung Jesu bei seinem ersten Wunder in Kana in Galiläa. Seine Mutter Maria weist ihren Sohn auf die drohende Blamage für das Brautpaar, zu deren Hochzeit sie geladen sind hin, als sie bemerkt, dass den Feiernden der Wein ausgeht. Und Maria weist ihren Sohn auf diesen Umstand hin und sie vertraut Jesus sozusagen blind. Sie sagt zu den Dienern: Was er euch sagt das tut! Und sie wird nicht enttäuscht und auch die Hochzeitsgesellschaft nicht, die das drohende Fiasko gar nicht erst mitbekommt. Einzig die Diener bekamen davon mit. Maria und Jesus haben Mitleid mit dem Brautpaar und retten sie so vor einer Blamage, von der die Menschen die auf der Hochzeit waren sicherlich ihr ganzes Leben gesprochen hätten.

Und so ist Maria, die Mutter Jesu zur Fürsprecherin und Mutter für uns alle Menschen und für die Kirche Jesu Christi geworden. Ein häufig verwendeter Satz meiner eigenen Mutter  ist mir aus meiner Kindheit in Erinnerung geblieben: Ein Kind, so sagte sie, braucht die Strenge des Vaters und die Güte der Mutter um ein rechter Mensch zu werden. Gerade heute am Fatimatag, an dem wir uns Maria in besonderer Weise erinnern, kommt mir dieser Satz wieder in den Sinn und gleichzeitig ein Ausspruch des sogenannten 33-Tage-Papstes Johannes Paul I., als er bei einem Angelusgebet sagte: „Gott ist Vater, mehr aber noch Mutter.“  Ich ging damals 1978 noch in die Schule und wir haben dieses Zitat sogar im Deutschunterricht behandelt als es um die gegensätzliche philosophische Verwendung der Begriffe ratio und anima ging, also Vernunft, Verstand einerseits und Seele, Geist andererseits, wobei das eine eher dem Mann und das andere mehr der Frau als Attribut zugeordnet wird. Wer möchte nicht in extrem belastenden Situationen wie ein kleines Kind den Kopf in den Schoß der Mutter legen und von ihr hören: „es wird ja alles wieder gut“? Ist nicht die Mütterlichkeit Gottes ein kühnes Bild? Ich finde nicht! Wir dürfen das von Gott erwarten: „Gott wird euch wie eine Mutter trösten und für euch sorgen“, heißt es im Buch Jesaja – und Maria, der Mutter Gottes dürfen wir als Fürsprecherin, der ihr Sohn keinen Wunsch ausschlägt unsere Sorgen und unsere Anliegen, unseren Kummer und unseren Verdruss in unserer menschlichen Not anvertrauen. Zahlreiche Votivtafeln in vielen Kapellen und Kirchen in unserem Land zeugen von der Anrufung und Erhörung Mariens. „Maria hat geholfen“ können wir vielerorts lesen, wobei die Volksfrömmigkeit die Hilfe Gottes meint, aber eben Maria als Fürsprecherin nicht vergisst. Auch diese Wallfahrtskirche bezeugt mit ihrem Namen „Maria Hilf“ die große Hoffnung der Menschen auf die Fürbitte Mariens.

Zurück zum Evangelium: Lukas geht es bei dieser Erzählung nicht darum, Jesus als großen Magier und Totenerwecker zu feiern. Er schreibt sein Evangelium aus der tiefsten Gewissheit heraus: Die letzte Macht des Todes ist gebrochen – Gott ist der Herr auch über den Tod und er möchte, dass wir Menschen das Leben haben, das Leben in Fülle! Das zeigt sich beim ersten Wunder Jesu in Kana, das zeigt sich bei den zahlreichen Krankenheilungen und Totenerweckungen im Laufe seines Wirkens, oder auch bei der Brot- und Fischvermehrung oder dem überreichlichen Fischfang der Apostel als sie Jesus vertrauten und ihre Netze trotz der entgegenstehenden Berufserfahrung als Fischer am hellen Morgen nochmals auswarfen. Es ist die innige Verbundenheit mit Gottvater, die Jesus diese Macht gibt, sogar Tote zu Leben zu erwecken und es ist das große Vertrauen auf Jesus, auf Gott bei Maria, die ihr die Wirkmächtigkeit des fürbittenden Gebetes gibt, durch ihre Bereitschaft von Gott alles anzunehmen, was er schenken will: „Siehe ich bin die Magd des Herrn mir geschehe nach deinem Worte“. Maria hat erkannt, dass Gott der Allmächtige und Nichtverfügbare ist und Maria ist voll der Gnade, der Herr ist mit ihr. Maria wagt es, ihr weiteres Leben an den Glauben zu binden, weil sie gelernt hat, „mit dem Herzen zu sehen“, wie es der französische Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry ausdrückt. Ist das nicht der Beginn eines jeden Glaubens: Offen werden für die Stimme, die nicht das Echo des eigenen ist, sondern auf eine Wirklichkeit verweist, die dem Verstand verschlossen bleibt?

Die Jünger und Anhänger und Anhängerinnen Jesu hatten erlebt, wie Menschen durch ihn wieder Hoffnung für ihr Leben bekommen hatten, wie Ausgegrenzte wieder in die Gemeinschaft hereingeholt wurden, Kranke heil wurden. Sie waren Zeugen, wie Menschen wieder eine neue Chance, eine neue Perspektive für ihr Leben bekamen. Menschen die spürten, dass sie mütterlich umsorgt waren von Gott und die sich anstecken ließen von der Botschaft vom Reich Gottes. Vom Reich des Friedens, in dem niemand mehr auf Grund seiner Herkunft, seiner Hautfarbe, seiner Kultur, seiner Lebensgeschichte ausgegrenzt wird. Wie eine Mutter jedes ihrer Kinder gleich gern hat, wo Macht und Reichtum nicht mehr zählen, wo eine Atmosphäre des Friedens, der Freude, der gegenseitigen Wertschätzung und Achtung vor der Würde des Einzelnen den Lebensraum prägt.

Und so wird Maria auch zu unserem Vorbild. Durch ihre Fürsprache brauchen wir an unserem eigenen Schicksal nicht zu verzweifeln, sondern dürfen hoffen und glauben, dass Jesus uns auch in unseren schweren Zeiten und im Leid beisteht und besonders im Leid.

Gott hilft uns unsere Last mitzutragen, wenn wir glauben – und das ist die befreiende, entlastende Botschaft – das ist die Frohe Botschaft.

 

Amen.