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Fatimatag

Um Maria am Fatimatag zu ehren, trafen sich viele Gläubige am Mittwoch, dem 13. September, in der Wallfahrtskirche, um gemeinsam mit Pater Sebastian um 18.25 Uhr den Rosenkanz zu beten und anschließend die Hl. Messe zu feiern. Hauptzelebrant und Festprediger war Pfarrer Gerhard Würzinger.

Nach dem Rosenkranz, den Pater Sebastian leitete, eröffnete Pater Paul um 19.00 Uhr den Fatimagottesdienst. Zuerst begrüßte er alle und besonders Pfarrer Gotthard Würzinger aus Otterskirchen, auch den Generalvikar Prälat Dr. Klaus Metzl, seine Mitbrüder Pater Sebastian und Pater Mirko und als mitbetende Gäste die Frauen des KDFB Kumreuth. Die Gottesmutter stellte er als den Menschen vor, der zeigen könne, wie man Hoffnung leben kann und wie sie erfüllt werde. Dann ermunterte er alle dazu, ihre Familie, das Bistum und alle Sorgen und Probleme der Gottesmutter anzuvertrauen.

Hauptzelebrant Pfarrer Gerhard Würzinger erinnerte den Frauenbund aus Kumreuth zu Beginn seiner Predigt an seinen Freund und ihren früheren Pfarrer Martin Schreiner, der mit 52 Jahren an einer schweren Krankheit verstorben war.

Wegen des schlechten Wetters musste die Lichterprozession ausfallen. Dafür feierten alle eine Andacht in der Wallfahrtskirche, die Pater Paul leitete. Nach der Verehrung des Allerheiligsten erteilte Pater Paul mit den Eucharistischen Segen.

Für die musikalische Umrahmung sorgte der Mariahilfer Kirchenchor unter der Leitung von Frau Erner. Unterstützt wurden sie während der Andacht von den Bläsern um Herrn Beck.

Predigt von Pfarrer Gotthard Würzinger:

Liebe Mitfeiernde!

In London, der Hauptstadt Englands, fährt seit einigen Jahren ein sog. Atheismus-Bus durch die Großstadt.  

Das ist ein Stadtbus, dessen Werbeflächen von einer Atheismus-Organisation angemietet worden sind, und der Werbe-Slogan mit großen Buchstaben auf diesem Bus, der lautet auf Deutsch übersetzt: “Es gibt wahrscheinlich keinen Gott – Aber erfülltes Leben gibt es auch ohne Gott.”

Menschen, die nicht an Gott glauben, die machen öffentlich Reklame für ihre Anschau­ung; sie verkünden oder lassen verkünden: Aller Wahrscheinlichkeit nach gibt es kein höheres Wesen, gibt es keinen Gott, und sie sagen: Das macht aber nichts. Man kann auch ohne Gott sich ein schönes und erfülltes Leben machen –  hier auf dieser Welt.

Liebe Mitfeiernde!

Vor über 50 Jahren gab es das letzte kirchliche Großereignis der modernen Zeit, das II. Vatikanische  Konzil. Damals hat die katholische Kirche zum Teil sehr mutig versucht, ihren Standpunkt zu vielen Herausforderungen und Veränderungen der modernen Welt zu finden und neu zu bestimmen.

Unter anderem hat damals das Konzil formuliert: “Viele unserer Zeitgenossen erfassen die Verbindung des Menschen mit Gott gar nicht oder verwerfen sie ausdrücklich. So muss man den Atheismus zu den ernstestes Gegeben­heiten dieser Zeit rechnen und aufs sorgfältigste prüfen.” Und weiter sagt das Konzil: Die Kirche kann, in Treue zu Gott wie zu den Menschen, nicht anders als die Lehren des Atheismus, der Gottlosigkeit zu verurteilen. Denn die Kirche weiß, dass die Botschaft vom Gottesglauben dem innersten Verlangen des Menschen entspricht. Und wörtlich sagt das Konzil: “Diese Botschaft mindert den Menschen nicht, sondern sie fördert ihn.”

Liebe Mitfeiernde!

Die Herausforderungen, vor denen in unseren Tagen die Kirche allgemein und auch jeder einzelne Christ stehen, sind in gegenwärtigen Zeiten – Kalenderjahr 2017 – nicht kleiner geworden. Wir erleben heutzutage nicht unbedingt einen aggressiven Atheismus, der gezielt den Gottesglauben oder die Kirche zerstören möchte. Diese Stimmen sind eher selten geworden. Aber wir erleben – wenn ich das so formulieren darf – eine Art stillen und schlei­chenden Atheismus: so leben und sein Leben so einrichten, als ob es Gott nicht gäbe. Ganz und gar für diese Welt und ganz und gar für die Sorgen, für die Herausforderungen dieser Welt zu leben und sich zu mühen – mit dem Verzicht auf das sog. Transzendente, also den Versuch, den eigenen Geist und das eigene Herz zumindest Richtung Gott, Richtung Religion und im Sinne des Christentums auch Richtung Jesus Christus zu erheben.

Ich bin ja schon fast 25 Jahre Landpfarrer in kleineren, überschaubaren Pfar­reien tätig, und auch da muss man ganz ehrlich konstatieren: die Formen bisher gelebter christlicher und katholischer Religion sind allem Anschein nach bei vielen Menschen nicht mehr gefragt, vermutlich auch die Inhalte dieser Religion. Zumindest hat es – wenn man in die zelebrierten Gottesdienste, in die Gemeinden hineinschaut, diesen Anschein. à Keine lauten Proteste gegen Gott oder die Kirche oder gegen den Pfarrer und die Pfarrei, aber der stille und oft auch nachdrückliche und bleibende Auszug.

Liebe Mitfeiernde!

Wenn wir heute hier auf Passau-Mariahilf, in dieser schönen Wallfahrtskirche miteinander einen Fatima-Gottesdienst feiern, dann ist unsere innere Einstellung wohl hoffentlich eine ganz andere; wir empfinden und wir sagen und wir bekennen: Der Glaube an Gott, der Glaube an seine Offenbarung (Hl. Schrift), aber auch der Glaube daran, dass Gott mit dieser Welt und den Menschen dieser Welt in Verbindung steht und in Verbindung stehen will, das ist unsere Überzeugung, zu der stehen wir, und die wollen wir uns auch von niemandem nehmen lassen.

Das Umfeld für den heute gelebten Glauben mag in unseren Tagen nicht einfach sein, aber das darf in seiner Intensität und in seiner Aktivität in unserem Glauben und in unserer Seele dem Glauben keinen Abbruch tun.

Liebe Mitfeiernde!

Erscheinungen gibt es ja sehr viele. Marienerscheinungen – übernatürliche Phänomene, wie man da sagt -  die müssen nicht jedermanns Geschmack sein, die muss auch nicht jeder glauben. Das wissen wir alle.

Ich selber bin ja zum Teil schon mehrmals an den drei bekanntesten Erscheinungsorten Marias in Eu­ropa geswesen: in La Salette ein paar Mal, in Lourdes und in Fatima (einmal sogar in Medjugorje, das ja immer noch auf seine Wahrhaftigkeit und Wahrscheinlichkeit hin überprüft wird). Solche Orte, die sind und die bleiben etwas Besonderes. Natürlich, dorthin fahren in der Regel nur gläubige Menschen, da wird der Glaube intensiv empfunden, gelebt und gefeiert, und an solchen Orten spürt man besonders deutlich:

Gott will mit den Menschen in Verbindung sein; er hat an bestimmten Krisenpunkten der Geschichte an solchen Orten – durch Maria – seine Offenbarung, seinen Willen bestätigt und eben durch Maria auf wichtige Wahrheiten unseres Glaubens hingewiesen: Sei es in La Salette 1846 etwa die ganz allgemeine Einladung zum Glauben und im Besonderen damals zur Sonntagsheiligung; sei es in Lourdes 1858 die besondere Zuwendung Marias zu den Kranken, zu den Hilfsbedürftigen; sei es in Fati­ma im Kriegsjahr 1917 die Bedeutung des Gebetes, der Buße, aber auch der Hinweis auf die göttliche Sehnsucht nach Frieden in einer Welt des Krieges und des Hasses.   

Und im Letzten, liebe Mitfeiernde, gehen diese Botschaften, diese Verdeutlichungen der heiligen Schrift für die jeweilige Zeit, im letzten gehen diese Botschaften ja an jeden einzelnen Gläubigen, an jeden einzelnen Christen: Er soll und er darf sich wandeln. Er darf sich wandeln in ein Werkzeug Gottes, in ein Werkzeug Jesu, in ein Werkzeug Marias auch, um im Sinne des Evangeliums zu wirken: für Gott, für den Frieden, für die Versöhnung, für ein von Liebe geprägtes Miteinander der Menschen.

Aber auch das dürfen wir nicht vergessen: Gelebtes Christentum ist – neben aller Ausrichtung auf Mitmenschlichkeit, auf Barmherzigkeit, auf Versöhnung, auf Frieden – gelebtes Christentum, ist auch eine Botschaft und eine Lebenspraxis der Ausrichtung des Lebens auf Gott. Seine Seele mit Gott zu verbinden suchen, um dadurch Kraft für die gelebte Liebe zu empfangen – diese große Einladung Gottes durch Maria und durch Jesus, die geht immer neu an uns Menschen, auch an uns heute oft so zweifelnde und fragende moderne Menschen.

Liebe Mitfeiernde,

lasst mich meine Worte beschließen mit einem Gebet des seliggesprochenen Papstes Paul VI. zu Maria, der Königin des Friedens:

Schenke uns, Maria,

eine hoffnungsvolle Sicht

und ein ermunterndes Wort:

den Sieg der Hoffnung über die Angst,

der Gemeinschaft über die Einsamkeit,

des Friedens über die Verwirrung,

der Freude und der Schönheit

über die Langeweile und den Verdruss,

der Ewigkeit über die Zeit,

des Lebens über den Tod.

 

(Sel. Papst Paul VI.)