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Fatimatag mit Kaplan Michael Osterholzer

Auf dem Mariahilfberg wurde am Samstag,  13. Oktober, ab 16.00 Uhr der letzte Fatimatag des Jahres mit Rosenkranz, Festgottesdienst und Andacht mit Lichterprozession begangen.  Als Hauptzelebrant und Festprediger fungierte der Kaplan im Pfarrverband Altötting, Neupriester Michael Osterholzer.

Die Feierlichkeiten zu Ehren Marias begannen um 16.00 Uhr mit dem Rosenkranz, den Pater Beniamin  vorbetete. Es folgte um 16.30 Uhr der würdevolle Einzug der Konzelebranten und Ministranten in die Kirche. Wallfahrtrektor Pater Beniamin begrüßte alle Kirchenbesucher, Wallfahrer und Marienverehrer. Als Konzelebranten konnte er neben dem Hauptzelebranten Kaplan Michael Osterholzer den Generalvikar des Bistums, Prälat Dr. Klaus Metzl, willkommen heißen. Er verbalisierte zudem den Grund dieser Zusammenkunft: zu zeigen, dass Maria ganz wichtig in unserem Leben ist. Kaplan Michael Osterholzer bedankte sich für die Einladung. Er gestand, dass es für ihn viel bedeute, an diesem Gnadenort feiern zu dürfen. Zudem nannte er es wunderbar, dass wir Christen neben der leiblichen Mutter noch eine Mutter im Himmel hätten.

Nach dem Kommuniondankgebet bedankte sich der Kaplan für den „wunderschönen Gottesdienst“. Dem Festgottesdienst schloss sich die Marienandacht mit Lichterprozession an, die Pater Beniamin gemeinsam mit dem Kaplan leitete. Zum Schluss erteilte Pater Beniamin den eucharistischen Segen.

Wie schon an den vorangegangenen Fatimatagen sorgten auch dieses Mal wieder der Mariahilfer Kirchenchor und die Mariahilfer Bläser für eine würdevolle musikalische Gestaltung der Feierlichkeiten.

Festpredigt von Kaplan Michael Osterholzer:

Liebe Schwestern und Brüder!

Liebe Pilger aus Nah und Fern!

Unser Bischof Stefan wurde auf dem Katholikentag 2014 in Regensburg, nur knapp eine Woche nach seiner Bischofsweihe, einmal gefragt, wie es denn so sei, Bischof zu sein. Und er antwortete: „Bis jetzt ist es richtig schön.“ Nun können Sie sich vielleicht vorstellen, dass auch ich in den letzten drei Monaten, die ich nun schon Priester bin, oft gefragt wurde: „ Und, wie ist das nun so, Priester zu sein?” Und ich kann meinem Bischof nur beipflichten: „Bis jetzt ist es richtig schön.“

Vielleicht fragen Sie sich, warum sich ein junger Mann heute überhaupt noch dazu entscheidet, Priester zu werden? Weiß der denn nicht, dass die Kirche so viele Fehler gemacht hat und zum Teil immer noch macht? Liebe Schwestern und Brüder, natürlich weiß ich das, und natürlich verurteile auch ich das ein oder andere, das geschehen ist. Aber die Kirche kann etwas, das sonst niemand kann: Sie kann Nähe, Geborgenheit und Heimat schenken, wie sie sonst keiner zu geben vermag. Freilich kann das die Kirche nicht aus sich selbst heraus, sondern nur durch unseren Herrn Jesus Christus und durch sein Wirken in unserer Welt. Wir sind lediglich das Werkzeug, durch das Christus wirkt und seine Liebe verschenkt. Und mit diesem „ Wir” meine ich uns alle, jede und jeden von uns. Die Kirche besteht nicht nur aus Priestern und Bischöfen. Nein, die Kirche besteht zunächst einmal aus Menschen, aus Gläubigen, aus Christen, die alle denselben Weg verfolgen und auf dasselbe Ziel hingehen. Jeder und jede von uns ist in die Nachfolge Christi gerufen!

Da heute Fatimatag ist, möchte ich jetzt kurz auf die Situation in Fatima überleiten, denn den Seherkindern erging es damals ganz ähnlich: Die Gottesmutter erschien nicht etwa dem Papst oder einem Bischof oder einem anderen hochdekorierten Kirchenmann, nein – sie suchte sich drei Kinder aus. Diese stammten aus armen Verhältnissen, waren aber gut und gläubig erzogen und ihre Familie im Dorf geachtet. Der Herr beruft uns alle. Jeder von uns soll sich auf den Weg machen und ihm nachfolgen.

Den eigenen Weg mit Christus zu gehen bedeutet auch, dass wir nie alleine durchs Leben gehen müssen, sondern stets einen treuen Begleiter an unserer Seite haben, der uns nie verlässt, der uns wie ein bester Freund begleitet und für all unsere Sorgen und Ängste ein offenes Ohr hat. Den eigenen Weg zu gehen bedeutet aber auch, dass wir diesen Weg mit all unseren Fähigkeiten, gleichsam aber auch mit unseren Schwächen gehen. Jeder und jede von uns ist zur Nachfolge und zur Verkündigung der frohen Botschaft berufen. Dabei ist es ganz egal, ob Sie ein

hochdekorierter Hochschulprofessor sind oder ein kleines Kind irgendwo am Rande der Gesellschaft. Ja, wir alle sind aufgefordert, durch unser Tun und unser Wirken die Menschen auf Christus und auf sein Evangelium hinzuweisen und sie mitzureißen, mit dem Feuer der Liebe, das Christus in uns allen entzündet hat. Jeder und jede nach seinen eigenen Möglichkeiten. Keine Angst: Sie brauchen dazu keine Bäume auszureißen, oder Berge zu versetzen. Jesus nachzufolgen, das beginnt im ganz Kleinen, das beginnt schon im eigenen Wohnzimmer daheim: Stehen Sie z.B. am Stammtisch dazu, dass Sie gläubiger Christ sind; erzählen Sie useren Kindern, wie wunderbar und wie groß unser Herr Jesus Christus ist; begleiten Sie Arme, begleiten sie Kranke, stehen Sie Schwachen und Kranken bei …

Freilich, dieser Weg, den wir mit Christus gehen, wird nicht immer der bequemste sein. Den Seherkindern von Fatima ging es da auch so ähnlich: Sie wurden kritisch beäugt, manchmal sogar belächelt oder sogar verspottet, ja selbst der örtliche Pfarrer versuchte sie zu überzeugen, „zum Wohl der Kirche” nicht mehr von ihren Visionen zu berichten. Und doch: Die Seherkinder blieben standhaft und im Glauben mit Maria und ihrem Sohn Jesus Christus verbunden.

Wenn man für den Glauben einsteht, geht es einem selbst auch immer wieder so. Ich kann hier nur aus meiner eigenen Erfahrung berichten: Da hört man beispielsweise von Menschen, die man eben z.B. im Restaurant kennengelernt hat: „Was? Du bist Priester? Bis jetzt dachte ich, du bist ein normaler Mensch!” Was? Du gehst in die Kirche? Warum das denn?“ usw. Ich denke, dass viele von uns diese Anfragen aus der Gesellschaft kennen.

Liebe Schwestern und Brüder: Bleiben wir standhaft, wenn uns der Gegenwind auch mal ins Gesicht weht, denn auch wenn uns deshalb noch so viel Ablehnung entgegengebracht wird: Der Samen des Glaubens, der wurde in diesem Moment gesät, und vielleicht kommt der Ein oder Andere ins Nachdenken hinein.

Nur dann und nur dort, wo wir alle gemeinsam mit Christus unseren Weg gehen, kann dieser gesäte Samen Wurzeln schlagen und das zarte Pflänzchen des Glaubens – gegossen mit dem Heiligen Geist und umstrahlt vom herrlichen Licht Jesu – zu einem stattlichen Baum heranwachsen, der Früchte trägt. Früchte der Nächstenliebe, der Barmherzigkeit, der Bescheidenheit und der Großzügigkeit.

Liebe Schwestern und Brüder, Christus nachfolgen ist nichts, was nur der Bischof oder nur der Priester tut. Christus in sein Leben zu holen und mit ihm gemeinsam durchs Leben zu gehen ist eine Aufgabe, die uns allen gestellt ist.

Christus kann, soll und muss unser ganzes Leben durchwirken, nicht nur am Sonntag beim Gottesdienst. Was nützt es, wenn einer noch so fromm ist und jeden Tag zum Gottesdienst geht, außerhalb des Gotteshauses aber ein unbarmherziges, egozentrisches und egoistisches Leben führt? Ja, ein wenig schelmisch könnte man sagen: Man wird nicht nur deshalb ein guter Christ, weil man oft in die Kirche geht, man wird auch nicht deshalb ein Auto, nur weil man in der Garage steht.

Der Gottesdienst und vor allem die Eucharistie sind die Quelle und der Höhepunkt unseres ganzen Lebens. Aus ihnen heraus dürfen wir unsere ganze Kraft schöpfen. Aus Christus, in Christus, mit Christus und durch Christus dürfen wir leben. Der Weg mit Christus endet aber keineswegs an der Kirchentürschwelle, sondern er geht mit uns hinaus und zwar immer; wir müssen ihn nur in unser Leben hineinlassen wollen.

Amen