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Gelöbniswallfahrt am Gedenktag Mariä Namen

Traditionell fand am Gedenktag Mariä Namen, dem 12. September ab 20.00 Uhr die Gelöbniswallfahrt der Stadt Passau nach Mariahilf statt. Die Festpredigt während der Andacht im Wallfahrtshof hielt Domkapitular Josef Ederer.

Der lange Prozessionszug der Wallfahrer zog mit Glockenläuten und Bläserklängen betend in den Wallfahrtshof von Mariahilf ein. Wie immer waren sie von einer Mariahilfer Wallfahrtsgruppe mit der Mariahilf-Fahne unten am Berg abgeholt worden. Unter den Betenden wurden auch der Generalvikar, einige Domherren, Priester und Ordensleute gesichtet. Der Wallfahrtshof füllte sich zusehends. Wie immer sang der Mariahilfer Chor zu Beginn die Grüssauer Marienrufe. Die Andacht leitete Domkapitular Helmut Reiner. Er begrüßte alle Wallfahrer und bedankte sich schon vorab bei den Diözesanbläsern und dem Mariahilfer Chor. Er nutzte auch die Gelegenheit, sich bei den Paulinerpatres für ihre Arbeit das ganze Jahr über zu bedanken. Dem Evangelium des Gedenktages folgte eine Ansprache, die Domkapitular Josef Ederer hielt, der allen Marias zu ihrem Namenstag gratulierte und besonders zur Wahl der Gottesmutter als Namenspatronin, dem „Urbild und Vorbild eines glaubenden Menschen“. Der Domkapitular verriet, dass das Evangelium von der Verkündigung der Geburt des Herrn für ihn einer der wunderbarsten Dialoge der Hl. Schrift sei – wegen seiner Aussagen „über Gott, über seine Haltung und Beziehung zum Menschen, die von Liebe und Achtung geprägt ist, über diese tolle Frau Maria, über ihre Würde, ihr Selbstbewusstsein und ihr freies Ja für ihre Berufung, den Sohn Gottes zur Welt zu bringen“. Diese wunderbare Frau diene uns als Fürsprecherin in verschiedensten Nöten. Das Fest Mariä Namen gehe auf so eine Krise zurück und zeige die Dankbarkeit über das gute Ende der zweiten Türkenbelagerung Wiens. Auch die jährliche Stadtwallfahrt nach Mariahilf sei ein Versprechen, Dankbarkeit auszudrücken, weil Passau im Zweiten Weltkrieg vor weitergehenden Zerstörungen verschont geblieben war. Doch Marias Leben bedeute auch eine Anfrage an unsere Art gläubig zu leben und ob Gott das so gewollt habe. Jedoch das Problem sei eher ein Mangel an  der „Bereitschaft zu rückhaltloser Liebe und der damit verbundenen Hingabe“, wie Maria es uns vorgelebt habe.

Die Andacht gipfelte in der Erteilung des Eucharistischen Segens, den Domkapitular Helmut Reiner spendete. Nach der gesungenen Bitte „Segne du, Maria, segne mich, dein Kind“ machten sich alle wieder auf den Heimweg.

Predigt von Domkapitular Josef Ederer:

 

Liebe Mitbrüder! Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Wallfahrer

Zunächst einmal wünsche ich allen “Marias” zu ihrem Namenstag alles Gute und Gottes Segen.

Sie tragen den Namen der Gottesmutter

und feiern heute ihre Namenspatronin.

Unsere Namenspatrone können und sollen uns Vorbilder im Leben und im Glauben sein.

Das gilt natürlich in ganz besonderer Weise für die Gottesmutter Maria. Sie ist die Patronin unseres Landes, sie ist Urbild und Mutter der Kirche, sie ist das Urbild und Vorbild eines glaubenden Menschen schlechthin.

Maria hat “Ja” gesagt zu dem was Gott mit ihr vor hatte  und hat Jesus Christus zur Welt gebracht, sie hat ihn geliebt  und hat sein Leben und Wirken begleitet,  persönlich und sicher auch in der Tradition ihres Volkes mit ihrem  Gebet.

Im heutigen Evangelium haben wir wieder einmal die Verkündigung der Geburt des Herrn gehört. Für mich ist das einer der wunderbarsten Dialoge in der Heiligen Schrift, weil er so viel aussagt

- über Gott

- über seine Haltung und Beziehung zum Menschen,

   die von Liebe und Achtung geprägt ist

- über diese tolle junge Frau Maria,

   über ihre Würde, ihr Selbstbewusstsein

   und ihr freies “Ja” zu ihrer Berufung:

   den Sohn Gottes zur Welt zu bringen.

“Mit mir geschehe, wie du es gesagt hast.”,  sagt sie zum Boten Gottes und nimmt so den Willen Gottes für ihr Leben an. Sie stellt damit ihr Leben ganz in den Dienst Gottes. Auch wenn sie von Anfang an von Gott auserwählt war, die Mutter seines Sohnes zu werden,

wollte Gott sie nicht als willenlose Marionette, als fleischliche Hülle, die fürs Geborenwerden einfach nötig ist, sondern als Person und Persönlichkeit, die sich bewusst und frei entscheiden kann.

Als Maria den Gruß des Engels “Sei gegrüßt, du Begnadete” hört, heißt es im Text: “überlegt sie, was dieser Gruß zu bedeuten habe”. Als sie die unglaubliche Botschaft hört,  dass sie den Sohn des Höchsten gebären soll, fragt sie nach: “Wie soll das geschehen?” Der Engel gibt ihr Antwort. Und schließlich gibt Maria ihre Antwort auf Gottes Ansinnen, auf Gottes Willen, auf sein Zutrauen und seine Liebe. Sie hört Gottes Wort, in Form der Botschaft des Engels, und antwortet:”Mir geschehe, wie du es gesagt hast!” Maria trifft hier in eigener Verantwortung eine Entscheidung, – weil Gott das so will. Das macht ihre und auch unsere Größe und Würde aus.

Gott hat uns Menschen so geschaffen und dazu befähigt, weil nur so eine Beziehung möglich ist,  die diesen Namen auch verdient, und weil nur in Freiheit Liebe möglich ist.

Schwestern und Brüder!

Gott kommt uns mit seiner Liebe, seinem Willen, seinen Vorstellungen und seinem Rufen entgegen, die Heilige Schrift ist voll davon, und es ist an uns Menschen ihm Antwort zu geben.

Maria hat das auf ihre Weise getan und damit heilsgeschichtliche Bedeutung erlangt.

- Wir verehren Sie durch unzählige Feste;

- wir wissen sie mit Leib und Seele aufgenommen in den Himmel

   an der Seite ihres Sohnes,

- wir rufen zu ihr in verschiedensten Nöten,

   bei Krankheiten,

   wenn es um Sorgen in der Familie geht

   oder in anderen existentiellen Krisen.

Manche und mancher von Ihnen hat wohl auch sein Päckchen an Lasten dabei und hierhergebracht, im Vertrauen auf Maria.

Auch das Fest “Mariä Namen” geht auf so eine Krise zurück. Am 12. September 1683 konnten die vereinigten christlichen Heere die 2. Türkenbelagerung Wiens beenden. Aus Dankbarkeit über die Befreiung Wiens setzte der Papst dieses Fest für die ganze Kirche als verbindlich fest.

Auch die heutige Stadtwallfahrt, zu der wir uns aufgemacht haben, wurde ja versprochen aus Dankbarkeit, weil Passau im zweiten Weltkrieg vor weitergehenden Zerstörungen verschont geblieben war.

Maria ist die Hilfe der Christen, sie ist Mittlerin und Fürsprecherin, sie ist die Mutter, zu der wir mir allem kommen dürfen und sie ist unser Vorbild im Glauben. Mit ihrem “Ja”, ihrem “Mit mir geschehe, wie du es gesagt hast.”, hat Maria ihre eigenen Träume und Zukunftspläne hinten angestellt und hingegeben, um Gottes Pläne zu erfüllen.

So ist ihr Leben auch immer eine Anfrage an uns, an jede und jeden ganz persönlich: Wie sieht es mit meinem Glauben, mit meiner Antwort auf Gottes Liebe aus? Was ist Gottes Plan für mein Leben? Was ist meine Berufung?

Ich denke für jede und jeden von uns gibt es Gottes Plan und er sagt uns durch Boten,  sei es z.B. durch die Worte der Heiligen Schrift, oder auch durch die Stimme unseres Gewissens   oder vielleicht auch durch andere Menschen was er sich wünscht.

Wer als hörender Mensch offen ist für Gott, der wird ihn wahrnehmen,  der kann ihn hören.

Wir hören den Ruf Jesu zur Jüngerschaft, zur Nachfolge. Wir wissen was gut und böse ist.

Meist ist uns auch klar was richtiges und gottgefälliges Handeln wäre, z.B. Teilen, denen in Not helfen, Frieden stiften, vergeben, Versöhnung und Neuanfang schenken, auch wenn uns das immer wieder schwer fällt.

Es fehlt uns in der Regel nicht an Erkenntnis, sondern an der Bereitschaft zu rückhaltloser Liebe und der damit verbundenen Hingabe.

“Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.”, sagt Maria. Sie legt damit ihr Leben ganz in seine Hände und stellt ihre ganze Existenz in seinen Dienst. Das macht Maria aus: ihr ungeheures Gottvertrauen, das getragen ist von ihrer Liebe zu ihm.

So geht sie ihren Weg mit Gott, an der Seite Jesu, den sie sicher immer wieder nicht versteht,

aber dennoch treu und vertrauensvoll, bis unters Kreuz. Dieser Glauben wird belohnt durch ihre Aufnahme in den Himmel, wo sie an der Seite ihres Sohnes lebt.

Liebe Schwestern und Brüder!

Wir sind aufgerufen den Weg Mariens zu gehen, hörend auf das was Gott von mir und für mich will. Maria macht uns Mut dabei auch nachzufragen und zu prüfen ob es wirklich Gottes Stimme ist, die wir da hören, oder vielleicht doch der eigene Vogel, oder die Stimme, die eigenen persönlichen Eitelkeiten huldigen will.

Da können Fragen helfen wie: Ist es gut, was ich da vernehme? Ist es lebensförderlich? Stärkt es meine Beziehung zu Gott, zu Christus? Bringt es Andere näher hin zu Christus? Ist es dem Reich Gottes dienlich?

Schwestern und Brüder!

Wenn Sie diese Fragen mit “Ja” beantworten können, dann sollten Sie wie Maria auch “Ja” sagen.

“Mit mir geschehe, wie du es gesagt hast.”

“Mit mir geschehe, wie du es gesagt hast.” Dieser Satz hat schon einmal Heil bewirkt.

Je mehr er auch unser Satz wird,

 je mehr wir uns von Gott in Dienst nehmen lassen,

 je mehr wir ihm vertrauen

 je mehr wir ihn lieben

umso mehr wird er Heil bewirken,

 für uns selber,

 für die Menschen um uns herum

 und für die Welt in der wir leben.

 Amen.