Gertraud Feuerer präpariert das Krippenspiel im Kloster Mariahilf — Heute kommt der Feinschliff

PNP Nr. 299 vom Freitag, 24. Dezember 2010, S. 38

.

Warten auf . . . das Jesuskind

.

Gertraud Feuerer präpariert das Krippenspiel im Kloster Mariahilf — Heute kommt der Feinschliff

.

Von Katharina Ellmayer

„Jetzt hast du lang genug gewar­tet”, sagt Gertraud Feuerer und blickt auf das Jesuskind in ihren Händen. Heute darf es endlich zu seinen Eltern, die schon seit Tagen bereitstehen — im Krippenspiel des Klosters Mariahilf.

Viele Stunden hat die 73-Jährige aufgewendet, um die Szene der Geburt Jesu so perfekt darzustel­len, wie sie nun in der Vitrine im Beichtgang des Klosters zu bewun­dern ist. Der Sternenhimmel im Hintergrund ist stimmungsvoll, der Stall authentisch und die Ge­wänder der Figuren sind angelegt. Auch die acht kleinen Mäuse, die in jedem Krippenspiel versteckt werden, sind schon an ihrem Platz. Sie zupft noch ein letztes Mal Ma­rias Gewand zurecht und stellt sie nah neben Josef. „Die darf sich ru­hig ein bisschen an ihren Mann schmiegen”, findet die Rentnerin. Feuerer gibt sich selbst jedoch nur wenig Freiraum, was die Darstel­lung der Bibelszenen angeht: „Ich möchte möglichst nah an der Litur­gie bleiben.” Die besten Vorlagen findet die Passauerin in der Kin­derbibel.

An Anregungen mangelt es Feuerer nicht. Doch dann gibt es ja noch das Problem der Umsetzung. Schließlich müssen Figuren und Kulissen erst vorbereitet werden. Woher bekommt sie die nötigen Materialien? Auf Spaziergängen, denn dabei sammelt sie Moos, das sie im Krippenspiel als Wiese ver­wendet, und zwickt kleine Äste ab, die später Bäume darstellen sollen. Was sie nicht in der Natur be­kommt, kauft sie dazu und model­liert es nach eigenen Vorstellun­gen. So lässt sie zum Beispiel aus einem Haufen Styropor mächtige Tempel entstehen.

Auch die Figuren benötigen viel Feingefühl. Denn bis Josef als sol­cher zu erkennen ist, dauert es eine Weile: „Ich bekomme einen Kopf, Beine und Arme aus Holz und dann werden sie dank Leim, Draht und Mullbinden zu kleinen Men­schen”, erzählt sie. Als Kleidung dienen Teile von Handtüchern oder von anderen Stoffen. „Ich verste­he das nicht als Arbeit”, erklärt Feuerer. Die filigrane Handarbeit, die so manchen zur Weißglut trei­ben würde, sei für sie reine Ent­spannung.

Davon dürfte sie im Laufe der letzten zwanzig Jahre, die sie schon für das Krippe zuständig ist, einiges genossen haben. Denn bis heute hat Feuerer 84 Figuren „er­schaffen”: Von Maria über die Hirten bis hin zu den Hohenpriestern. Sie muss imstande sein, alle Ge­schichten der Bibel nachzustellen. „Einmal standen schon 54 ‚Leute’ in der Krippe. Anlass war die ,Hei­lung eines Kranken’”, erinnert sie sich. Doch heute kann Feuerer auf ein großes Volk verzichten, denn die Heilige Familie soll klar im Vor­dergrund stehen.

„Früher dachte ich, die Krippen begeistern vor allem das junge Pu­blikum”, erinnert sich Feuerer. Heute weiß sie, dass sie falsch lag. „Ganz oft kommen die Padres zu mir und sagen ganz stolz: ,Ich hab’ schon alle Mäuse gefunden.”‘ Be­sonders Pater Mirko habe immer viel Wert auf das Krippenspiel ge­legt.

Feuerer blickt noch einmal auf die kleine geschnitzte Kinderfigur. Heute morgen legt sie es in das vorbereitete Bettchen. Jetzt kann auch im Kloster Mariahilf der Heilige Abend beginnen.