Nachprimiz der drei Neupriester des Bistums Passau

Am Mittwoch, 29. Juni um 19.00 Uhr, feierten die drei Primizianten der Diözese Passau in der Wallfahrtskirche eine Nachprimiz.

Diözesanbischof Wilhelm Schraml hatte am Samstag, 25 Juni, Dominik Flür aus Schwäbisch Gmünd, Carl Christian Snethlage aus Aachen und Thomas Steinberger aus Perach zu Priestern geweiht.

Am Mittwoch kamen die drei jungen Priester nach Mariahilf und feierten erstmals gemeinsam und zusammen mit den Gläubigen  einen Gottesdienst. Da reichten die Sitz- und Stehplätze in der Kirche nicht mehr aus. Zuvor wurde für die Primizianten der Rosenkranz gebetet.

Zu Beginn der Hl. Messe begrüßte Wallfahrtsseelsorger Pater Beniamin seine neuen Kollegen im Priesteramt. Primiziant und Hauptzelebrant Carl Christian Snethlage bedankte sich und betonte, dass es für sie ein Dankgottesdienst an die Mutter Jesu sei. Mit den drei Neupriestern standen auch Generalvikar Prälat Dr. Klaus Metzl und Pater Beniamin vom Kloster Mariahilf am Altar. Die Ansprache an die Kirchengemeinde hielt Primiziant Dominik Flür.

Zum Schluss erteilten die Neupriester den Gläubigen gemeinsam den feierlichen Primizsegen und nach der Hl. Messe spendeten sie jedem Kirchenbesucher den Einzel-Primizsegen, der von ihnen sehr persönlich gestaltet wurde. Jeder konnte erkennen, wie sehr und mit welcher Freude die Neupriester von ihrer neue Aufgaben erfüllt sind.

Die Kirchengemeinde von Mariahilf wünscht den drei Neupriestern alles Gute, Gottes Segen und den Beistand der Gottesmutter.

Predigt von Primiziant Dominik Flür am 29. Juni in der Wallfahrtskirche Mariahilf:

„Die Demut kommt noch vor der Liebe”,

liebe Schwestern und Brüder, mit dieser kurzen Formel lässt sich das Leben vieler großer Heiliger unserer Kirche zusammenfassen.

Auch für die beiden Heiligen des heutigen Festtages gilt: „Die Demut kommt noch vor der Liebe”!

Wir feiern heute das Fest der beiden Apostelfürsten Petrus und Paulus. Wir denken an ihr großartiges Wirken. Vielmehr noch: Wir denken an das Große, das Gott durch sie gewirkt hat.

Wir sagen Gott Dank für den Völkerapostel Paulus. Er war von Gott dazu auserwählt, das Evangelium von Jesus Christus in der ganzen Welt zu verkünden.

Und wir danken dem Herrn für den Apostel Petrus. Er wurde von Christus bestimmt, der Grundstein der Kirche zu sein. Und nur auf diesem Grundstein wird die Kirche sicher stehen.

Der Grundsatz: „Die Demut kommt noch vor der Liebe”, so habe ich gesagt, gilt für sie beide, für Petrus und Paulus.

Und tatsächlich: Auf diese wahre Demut der Apostelfürsten weisen uns auch die Lesungen des heutigen Tages hin.

Wir hören von Petrus, der im Gefängnis sitzt. Wie durch ein Wunder, also nach menschlichem Ermessen völlig unbegreiflich, wird Petrus mit Hilfe eines Engels aus dem Gefängnis befreit. Nicht aus eigener Kraft ist er stark. Nein, es ist die Hand Gottes, die ihn aus dem finsteren Loch herausführt.

In dieser wundersamen Errettung des Petrus, da erkennt der Apostel zugleich, wer er selbst ist: Denn als er ,zu sich kommt’, da begreift er „wahrhaftig, dass der Herr seinen Engel gesandt” hat. Nicht seine eigene Stärke war es, die ihn gerettet hat. Petrus bringt hier den Mut auf, die Wahrheit über sich selbst anzunehmen, nämlich: Ich bin nicht stark aus eigener Kraft!

Allein aus dieser Grundhaltung heraus, allein aus der Annahme seiner Armseligkeit heraus, war es dem Petrus möglich, das Gute zu tun, zu dem er ausersehen war. Nur so konnte er die Liebe geben, die der Herr durch ihn ausgießen wollte.

Petrus hat sein Leben Christus hingehalten und Ihm alle menschlichen Teile übergeben. Der Herr aber hat sie angenommen und in Seine Liebe verwandelt!

Dasselbe, liebe Schwestern und Brüder, hören wir in der zweiten Lesung über den Apostel Paulus:

Er sagt von sich: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten.” Und er sagt uns auch, wie ihm dies möglich gewesen ist. Er konnte treu sein bis ans Ende, denn der Herr stand ihm zur Seite und gab ihm Kraft. Auch hier sehen wir wieder dieselbe Haltung der Demut. Der Apostel erkennt die Wahrheit über sein Leben an: Ich bin nicht stark aus eigener Kraft, nein, der Herr gab mir Kraft!

Freilich hat Paulus nicht gezögert, den guten Kampf zu kämpfen. Er war sich nicht zu schade, alle seine menschlichen Kräfte einzusetzen, um dem Herrn zu dienen. Dennoch aber war er sich dessen bewusst, dass er allein nichts tun konnte. In allem war er auf die Hilfe seines Gottes angewiesen.

Liebe Schwestern und Brüder,

wenn wir es den beiden ersten Säulen der Kirche gleichtun wollen, dann ist es auch für uns unbedingt notwendig, dass wir ihre innere Haltung annehmen. „Die Demut kommt noch vor der Liebe”, diesen Leitspruch müssen auch wir über unser Leben stellen. Auch wir sind immer wieder dazu aufgerufen, dass wir den Mut aufbringen, die Wahrheit über unser eigenes Leben anzuerkennen. Wir dürfen unsere Stärken und Schwächen erkennen und dem Herrn hinlegen. Er kann in Seiner Liebe alles zum Guten verwandeln. Es ist unbedingt notwendig, dass wir unsere Talente einsetzen und sie nicht im Acker vergraben. Und manchmal wird es in unserem Leben auch so sein, dass gerade unsere Schwäche unsere eigentliche Stärke ist. Denn dort, wo unsere Kraft versagt und dort, wo wir uns dies eingestehen müssen, dort kann die Demut ihr Werk beginnen. Wenn wir nämlich erkannt haben, dass wir in allem auf die Hilfe des Herrn angewiesen sind, dann können wir uns auch in Ehrfurcht vor Ihm niederknien. Kniend können wir Jesus Christus um Seinen Beistand bitten. Er selbst wird gütig auf uns schauen und uns in Seiner Kraft zu Hilfe kommen.

Die Haltung der Demut befähigt uns dazu, das zu tun, was Christus durch uns tun möchte. Er ist die Stärke unserer Seele.

Christus wird auf Erden. Seine Liebe freisetzen, wenn er demütige Seelen findet, die Ihm einen Platz in Ihrem Herzen einräumen. Es gilt tatsächlich: Die Demut kommt noch vor der Liebe!

An Petrus können wir noch einmal beispielhaft sehen, was das bedeutet, wenn sich ein Mensch vor Seinem Herren klein macht: Der Herr wandte sich Petrus zu und schenkte ihm sein volles Vertrauen. Er sagte zu ihm: „Du bist Petrus – der Fels -, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.” Und weiter sagt der Herr zu Petrus: „Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.”

Wer sich also wie der heilige Apostel Petrus vor dem Herrn ganz klein macht, der bleibt nicht klein. Und er ist auch kein gedemütigter Knecht des Herrn. Nein, wer sich vor dem Herrn klein macht, der wird durch den Herrn erhoben. Der Herr selbst macht ihn groß und adelt ihn: Er salbt ihn zum König, Priester und Propheten und gibt ihm die Macht, Kind Gottes zu sein. Amen.