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Rundfunkübertragung aus der Wallfahrtskirche

Das Hochamt zum Weihnachtsfest am 25. Dezember um 10.00 Uhr wurde vom Bayerischen Rundfunkt übertragen. Hauptzelebrant war Generalvikar Prälat Dr. Klaus Metzl.

Schon seit Tagen fielen die großen Übertragungswagen vor der Wallfahrtskirche auf. Der Bayerische Rundfunk  bereitete die Radio-Aufnahme des Hochamtes am Weihnachtstag vor.

Um 10.00 Uhr – nach dem Glockengeläute – begann zeitgleich in der Wallfahrtskirche und an den Radiogeräten der Festgottesdienst. Nach dem gemeinsamen „O du fröhliche“ mit Bläsern, Orgel, Chor und Gemeinde sprach der Generalvikar Begrüßungs- und Eröffnungsworte und stellte fest:  Wer in diesem Neugeborenen das göttliche Kind erkennen könne, würde wie die Hirten auf die Knie fallen und von unsagbarer Freude erfüllt sein.

Damit dieser Gottesdienst zu einem festlichen Weihnachts-Ereignis wurde, halfen viele Mitwirkende zusammen. Vor dem Segen ergriff der Generalvikar die Möglichkeit,  allen zu danken, „die diesen Gottesdienst vorbereitet und mitgestaltet haben“: dem Prior der Paulinerpatres und Mitzelebranten Pater Paul Binkowski, der Chorgemeinschaft Mariahilf unter Leitung von Frau Eugènie Erner, der Mariahilfer Bläsergruppe unter der Leitung von Herrn Michael Beck, dem Mesner Bruder Christoph Kosowski und den Ministranten. Er vergaß auch nicht, die wichtige Rolle der Damen und Herren vom Bayerischen Rundfunk und des Verantwortlichen der Diözese, Herrn Josef Duschl, zu erwähnen.

Die Professionalität aller Mitwirkenden ließ die Kirchenbesucher vergessen, dass es sich um eine Rundfunkübertragung handelte. Alle konnten die vom Generalvikar propagierte Weihnachtsfreude erleben.

Predigt von Generalvikar Prälat Dr. Klaus Metzl am 25. Dezember

im Gottesdienst um 10.00 Uhr in der Wallfahrtskirche Mariahilf:

Liebe weihnachtliche Festgemeinde!

Gott ist Mensch geworden, damit der Mensch göttlich werde – so umschreibt der heilige Kirchenvater Augustinus das Festgeheimnis der Menschwerdung Gottes. Der Sohn Gottes tritt aus reiner Liebe zu uns Menschen in unsere Welt ein, damit wir den Weg zurück zum Vater ins Himmelreich finden können. Was einst durch die Sünde Adams verlorenging: das Paradies – das öffnet uns der Schlüssel aus Davids Stamm – der zweite Adam: Jesus Christus – von neuem.

So ist Weihnachten ein Fest voller Dynamik und innerer Spannung: Gott steigt herab, er fließt gleichsam wie Tau vom Himmel auf die ausgetrocknete und nach Liebe dürstende Erde, damit wir zu ihm hinaufsteigen können, zum niemals endenden Hochzeitsmahl der ewigen Freude im Himmel.

Das heißt aber umgekehrt: Dass nur im anbetenden Niederfallen vor dem Kind in der Krippe die eigentliche Größe des Menschen liegt. Denn so wie sich Gott klein gemacht und sich aus der himmlischen Herrlichkeit in die irdische Wirklichkeit erniedrigt hat, so sollen auch wir uns erniedrigen und klein machen, weil wir nur so vor Gott groß und heil werden zu können. Im Magnifikat besingt Maria in einzigartiger Weise diese Heilslogik der Liebe Gottes, wenn sie sagt: Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben, doch die Reichen lässt er leer ausgehen (Lk 1, 52f.). Oder wie der Apostel Paulus an die Korinther schreibt: Das Törichte in der Welt hat Gott erwählt, um die Weisen zuschanden zu machen, und das Schwache in der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zuschanden zu machen. Und das Niedrige in der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt; das, was nichts ist, um das, was etwas ist, zu vernichten (1Kor 1,27f.).

Und so lautet in dieser Logik der Liebe, wohl eines der schönsten Jesusworte, das er einmal erfüllt vom Heiligen Geist voller Freude ausrief: Ich preise dich Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen und Kleinen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen (Lk 10,21f.). Aber was ist all das, was den vermeintlich Weisen und den angeblich so Klugen dieser Welt verborgen bleibt? – Es ist das Geheimnis des heutigen Evangeliums: Gottes Sohn, das Wort des Vaters, das Licht von Ewigkeit, kommt in die Finsternis unserer Erdenwirklichkeit; ja er kommt in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen und nehmen ihn bis heute oftmals nicht in ihren Herzen auf, weil sie sich in ihrem vermeintlich angehäuften Wissen und in ihrer selbstherrlich gezimmerten Weisheit von Gott unabhängiger glauben, als je zuvor; weil wir Menschen immer noch lieber um uns selber und um unsere selbstgemachten Probleme kreisen, so wie der Mond um die Sonne, und dabei vergessen, dass das Licht, die wahre Sonne, die niemals untergeht, niemand anderes ist, als Jesus Christus selbst.

Umgekehrt gilt aber auch heute noch allen Menschen, die guten Willens sind die Verheißung, die sich bereits an Maria erfüllt hat, und die uns allen heute wieder aufs Neue zugesagt wird: Allen aber, die ihn aufnahmen, gibt er die Macht, Kinder Gottes zu werden, allen die an seinen Namen glauben und aus Gott geboren sind.

Durch die Taufe – Schwestern und Brüder – sind wir aus Gott neu geboren; durch die Taufe sind wir zu Kindern des Lichtes geworden; wir sind das Salz der Erde; wir haben von Gott her als seine Kinder eine unzerstörbare Würde erhalten. Also stellen wir das Licht – Jesus Christus – das die Welt erhellen kann, nicht unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter, damit es allen in unserem Erdenhaus leuchte.

Liebe Festgemeinde!

Gott ist Mensch geworden, damit der Mensch göttlich werde! – Die Präfation vom heutigen Festtag spricht vom admirabile commercium – von einem wunderbaren Tausch. Der Priester singt dort an den Vater gerichtet: Denn einen wunderbaren Tausch hast du vollzogen: dein göttliches Wort wurde ein sterblicher Mensch, und wir sterbliche Menschen empfangen in Christus dein göttliches Leben (Weihnachtspräfation III).

Obwohl vor 2000 Jahren der Gesang der englischen Heerscharen über den Hirten auf dem Felde bei Betlehem verklungen ist, spricht Christus doch jedes Jahr wieder neu in der Weihnachtszeit dieses Wort des wunderbaren Tausches: Du schenkst mir deine Zeit, und ich schenke dir dafür meine Ewigkeit. Du gibst mir deine Schwäche, und ich gebe dir dafür meine Kraft. Du gibst mir deine Menschlichkeit, und ich gebe dir dafür meine Göttlichkeit. Du gibst mir dein Nichts, und ich gebe dir dafür Alles! – Wer – so frage ich – würde bei so einem Tausch-Angebot nicht sofort zuschlagen wollen? Wer würde bei so einem Sonder-Angebot nicht rasend werden vor Freude und nicht sofort zugreifen wollen, so wie der Kaufmann des Evangeliums, der eine besonders kostbare Perle fand, oder wie der Mann, der auf einem Acker den Schatz seines Lebens entdeckte (Mt 13, 44-46) und alles dafür gab, nur um diesen Schatz in seinen Besitz zu bringen.

Weihnachten – Schwestern und Brüder – steht und fällt also mit unserer Bereitschaft, den Erlöser der Welt an- und aufzunehmen. Und so gilt es auch heute einmal mehr, die zugeschlagenen Türen unserer Herzen wieder weit aufzureißen und das Dunkle in ihnen durch das Licht der Geburt Christi ausleuchten zu lassen. Es gilt: Gleichsam unsere Herzen zu einer Krippe zu formen, in der das Wort Gottes Wohnung nehmen und Fleisch werden kann. Denn dann erst wird in uns Weihnachten sein: wahre und unzerstörbare Mensch-Werdung!

Amen