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Geschichte

Marquard Freiherr von Schwendi

Die Bischofsstadt Passau ist seit alters her ein Zentrum des religiösen Lebens für Bayern und Österreich. 1611 brachte Fürstbischof Erzherzog Leopold von Österreich in seine Residenzstadt ein Bild der Gottesmutter mit dem sie zärtlich umarmenden Kind. Dieses war von Lucas Cranach d. Ä., einem der bedeutendsten deutschen Maler, wohl nach 1537 geschaffen worden.

Das herausragende Gemälde fand die Zuneigung des Passauer Domdekans Marquard Freiherrn von Schwendi. Er ließ sich daher zwei Kopien fertigen und hängte eine davon in einer Holzkapelle in seinem Garten am Fuße des heutigen Mariahilfberges auf. Nach einer Reihe von Marienvisionen entschloss er sich 1622, die Kapelle mit dem Bild auf den Berg hinauf zu verlegen und diese für alle Gläubigen zu öffnen. Wegen des überaus großen Andrangs der Beter und Wallfahrer musste er schon 1624 daran gehen, eine Kirche zu bauen (bis 1627). Ihr Baumeister war der Passauer Meister Francesco Garbanino, offenbar aus dem Kreis der Tessiner Künstler, die damals die Barockkunst nach Bayern brachten. Schnell wurde diese neue Kirche zur überaus beliebten Wallfahrt, die ab 1631 von den Kapuzinern im unmittelbar benachbarten Hospiz und aus dem Passauer Innstadtkloster versehen wurde. Sie machten Mariahilf zu einem Wallfahrtszentrum für Mittel- und Südosteuropa, besonders nach der unter der Anrufung Mariens geglückten Befreiung Wiens von den Türken 1683.

„Mariahilf“ ist wesentlicher Teil der in der Barockzeit besonders blühenden Verehrung der Gottesmutter. Hunderte von Tochterwallfahrten entstanden, vor allem Amberg/Oberpfalz, Innsbruck (dort das Originalgemälde des Lucas Cranach), Wien und München.

Obwohl der Anruf „Mariahilf“ in der Zeit des Abwehrkampfes gegen die Türken besonders viel gebraucht wurde und etwa Marcus von Aviano,der kapuzinische Volksprediger der Türkenkriegszeit, seinen Kampf unter diesen Schutz stellte, blieb die Hinwendung zur Gottesmutter immer von den Grundproblemen menschlicher Existenz bestimmt. Dies bezeugen die zahllosen Mirakelberichte, Votivtafeln und Lieder, wie sie besonders von Prokop von Templin, dem Mariendichter aus dem Kapuzinerorden, verfasst worden sind. Daher haben Menschen aller Schichten und aus allen Regionen in großer Zahl den Weg nach Mariahilf gefunden, bis nach etwa eineinhalb Jahrhunderten, in der Aufklärungszeit und in der Säkularisation, die Wallfahrt beschnitten und schließlich praktisch beseitigt wurde.

Votivtafeln

Der Geist der Katholischen Reform Bayerns hat die Wallfahrt nach drei Jahrzehnten wiederbeleben können (ab etwa 1830), aber nur mehr als eine Wallfahrt der Diözese Passau und des näheren österreichischen Umlandes. Auch heute noch finden regelmäßig Wallfahrten nach Mariahilf statt.