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Orden

Die Pauliner – Orden des hl. Paulus des ersten Einsiedlers (OSPPE)

Der Name des Ordens und sein Ursprung
Der vollständige Name des Paulinerordens lautet: Orden des Heiligen Paulus des Ersten Einsiedlers (Ordo Sancti Pauli Primi Eremitae). Dieser Name geht auf den hl. Paulus von Theben, der 228-341 in Oberägypten lebte, zurück. 491 wurde er von Papst Gelasius I. in Rom heilig gesprochen.

Eine kurze Ordensgeschichte
Der Paulinerorden hat seinen Ursprung in Ungarn. Der Benediktinermönch und Bischof Bartholomäus von Pecs wollte ein Kloster gründen, das eine Stätte des Gebetes und der Buße sein sollte. In den Jahren 1215-1225 wurde auf dem Berg Patacs ein solches Kloster errichtet. Es bekam den Namen des hl. Jakobus. Bischof Bartholomäus gab den dort lebenden Mönchen die erste Regel. Als der eigentliche Vater und Gründer des Paulinerordens gilt jedoch der sel. Eusebius von Esztergom. Dieser sah in einer Vision viele kleine Flammen, die zusammen liefen und zu einem großen Feuer wurden. Davon inspiriert gründete er zusammen mit den ersten Schülern Stephanus und Benedikt auf dem Berg Pilis das Heilig-Kreuz-Kloster. Der Hl. Paulus von Theben war von Anfang an ihr Vorbild. 1250 schlossen sich die beiden Klöster unter der Führung des sel. Eusebius zu einer Gemeinschaft zusammen, die den Grundstock des Paulinerordens bildete. Dank der Unterstützung des hl. Thomas von Aquin erhielt der neue Orden 1262 von Urban IV. den päpstlichen Segen. Doch die offizielle Anerkennung durch Rom vollzog sich erst am 13. Dezember 1308 durch den Papst Klemens V., der den Paulinern die Regel des hl. Augustinus zuschrieb und ein Jahr später die ersten Konstitutionen bestätigte.
Von Ungarn aus verbreitete sich der Orden weiter auf Kroatien, wo insgesamt ca. 50 Klöster gegründet wurden. Der erste Marienwallfahrtsort der Pauliner war Remete. Das erste eigene Ordensoffizium sowie das Pauliner-Meßformular entstanden ebenso in Kroatien. Hier leiteten Pauliner eigene Schulen und eine Universität. Aus der Ordensmitte gingen mehrere Bischöfe und ein Kardinal hervor, der sein Leben als Märtyrer beendete.
Nach Polen kamen die Pauliner 1382, um das Gnadenbild der Schwarzen Madonna zu hüten, das der Landesfürst Ladislaus von Oppeln nach Jasna Góra in Tschenstochau brachte.
Das erste Kloster in Deutschland wurde 1351 in Ebnit gegründet. Um 1360 existierte bereits die schwäbisch-rheinische Provinz mit sechs Niederlassungen. Die Reformationszeit überdauerten nur fünf Klöster. Insgesamt entstanden in der Provinzgeschichte 16-20 Konvente. Der Sitz der Provinz befand sich in Langnau am Bodensee, wo ca. 20-30 Mönche lebten. Die Säkularisation brachte die Auflösung der gesamten Provinz mit sich. 1981 kamen die Paulinermönche nach Deutschland zurück. Das erste Kloster wurde in Mainburg gegründet.
Seine Blütezeit erreichte der Paulinerorden im 16. Jh. Mit 8 Provinzen und ca. 300 Klöstern war er einer der bedeutendsten Orden Europas. Selbst in Palästina gab es Pauliner. Die Niederlage bei Mohacs 1526 brachte dem Orden eine verheerende Zerstörung: unzählige Klöster fielen den Osmanen zum Opfer. Archive und Bibliotheken gingen in Flammen auf, Klostergebäude wurden niedergerissen, zahlreiche Mönche erlitten den Märtyrertod. Was von der osmanischen Vernichtung noch übrig blieb, wurde durch die Säkularisation aufgelöst.
Der Wiederaufbau des Ordens hängt mit der Neuorientierung des Ordenslebens zusammen: von der eremitisch-kontemplativen Spiritualität hin zur kontemplativ-apostolischen Lebensform. Eine zentrale und prägende Bedeutung bekam nun die polnische Provinz mit dem Kloster Jasna Góra in Tschenstochau, dem größten und wichtigsten Marienwallfahrtsort in Osteuropa. Die berühmtesten Persönlichkeiten dieser Zeit sind P. Augustinus Kordecki und P. Stanislaus Oporowski, zwei vom Volk sehr verehrte Pauliner.

Marienverehrung
Eines der Wesensmerkmale des Paulinerordens ist seine marianische Ausrichtung. “Die Seligste Jungfrau Maria, die Königin der Einsiedler – liest man in den Ordenskonstitutionen – ist Mutter und besondere Schutzpatronin des Ordens. Seit den ersten Anfängen des Ordens haben unsere Väter Zeugnis davon gegeben. Die Ordenskapitel der neuesten Zeit haben die gesamte Ordensfamilie unter den Schutz Mariens gestellt und in ihre Hände die oberste Verfügungsvollmacht gelegt. Die Erklärung des Lebens von Maria im Mysterium Christi, die Nachahmung ihrer Tugenden und die Verbreitung ihrer Verehrung zeichnet deshalb die Spiritualität der Pauliner besonders aus. Auch die apostolische Tätigkeit der Pauliner trägt marianische Züge, besonders an Wallfahrtsorten, die dem Orden anvertraut wurden, von denen Jasna Góra in Tschenstochau eine hervorragende Bedeutung einnimmt.”

 

Der Paulinerorden heute
Die Wesenszüge des Paulinerordens sind: die Kontemplation Gottes in der Einsamkeit, das Pflegen des liturgischen Gebetes, bußfertiges Leben und Arbeiten, Marienverehrung, Apostolat im Dienste der Kirche durch Predigt und Sakramentenspendung, insbesondere des Bußsakramentes.
Jasna Góra ist ein besonders sensibler Ort der Seelsorge für ganz Polen, insbesondere im Bezug auf das Bußsakrament. (Johannes Paul II.)
Eine andere, für den Orden spezifische Seelsorgeform ist die Organisation und Durchführung der Wallfahrten zu Marienwallfahrtsorten.

Die Ordensleitung hat ihren Sitz in Jasna Góra in Tschenstochau. Außerdem ist der Paulinerorden in folgenden Ländern vertreten: Polen, Ungarn, Ukraine, Weißrußland, Tschechien, Slowakei, Letland, Deutschland (Mainburg, Passau, Erding, Regensburg, St. Märgen, Todtmoos), Italien, USA, Australien, Kamerun, Südafrika. In ungefähr 70 Klöstern leben ca. 500 Pauliner.

Hieronymus: Auszug aus der Lebensbeschreibung des hl. Paulus, des Er­sten Eremiten

Unter den Verfolgern Decius und Valerian vernichtete der schreckliche Sturm zahlreiche Kirchengemeinden in Ägypten und der unteren Thebais. In dieser Zeit lebte in der unteren Thebais Paulus, ein junger Mann von ungefähr 16 Jahren, er war vorzüglich gebildet in der griechischen ebenso wie in der ägyptischen Literatur, war sanftmütig und liebte Gott aus ganzem Herzen. Da seine Schwester schon mit einem Manne vermählt war, kam er nach dem Tode bei­der Eltern in den Besitz einer großen Erbschaft. Während nun der Sturm der Verfolgung tobte, lebte er ziemlich zu­rückgezogen in einem etwas abgelegenen Landhaus. Doch wozu treibst du das Herz des Menschen nicht, du Hunger nach Gold? Der Mann seiner Schwester wollte allmählich den ins Licht der Öffentlichkeit bringen, den er hätte ver­bergen müssen. Sobald der kluge Jüngling dies merkte, floh er in die Einsamkeit der Berge, und während er das Ende der Verfolgung erwartete, machte er aus der Not eine Tu­gend: er ging nach und nach immer weiter und fand einen Felsenberg, an dessen Fuß eine winzige Höhle lag, die ein Stein verschloss. Paulus wälzte ihn weg und bemerkte drin­nen einen großen Hof, den eine alte Palme mit ihren breiten Ästen verbarg, während er nach oben offen war. Hier ent­sprang eine überaus klare Quelle. Deshalb fand Paulus Ge­fallen an dieser Behausung, gleich als ob sie ihm von Gott angeboten würde, und verbrachte dort sein ganzes Leben im Gebet und in der Einsamkeit. Nahrung und Kleidung ge­währte ihm die Palme.

Als der hl. Paulus schon 112 Jahre ein himmlisches Leben auf Erden führte und in einer anderen Einsiedelei der neunzigjährige Antonius lebte, kam diesem der Gedanke, dass außer ihm sich kein Mensch in die Wüste zurückgezo­gen habe. Da wurde ihm während der Nachtruhe geoffen­bart, dass ein viel besserer als er weiter drinnen lebe; zu diesem solle er eilen, um ihn zu besuchen. Der ehrwürdige Greis begann, auf ein ihm unbekanntes Ziel zuzugehen, da erblickte er plötzlich eine Wölfin, die nach Wasser lechzte. Als er ihr mit den Blicken folgte und an die Höhle herantrat, nachdem das Tier verschwunden war, begann er hineinzu­schauen.

Paulus öffnete die Türe. Nach einer ehrfürchtigen Umarmung setzte er sich mit Antonius nieder und be­gann folgendermaßen zu sprechen: »Siehe, der, den du mit so großer Mühe gesucht hast, umhüllt mit seinen vom Alter morschen Gliedern ungepflegtes graues Haar! Wohlan, du siehst einen Menschen, der bald Staub sein wird. Erzähle mir, ich bitte dich, wie es mit der Menschheit steht! Wach­sen in den alten Städten neue Häuser aus dem Boden? Wer regiert die Welt? Gibt es noch solche, die sich vom Trug der Dämonen täuschen lassen?« Während dieser Gespräche er­blickten sie einen fliegenden Raben, der ein ganzes Brot herab warf. »Ja«, sprach Paulus, »der Herr hat uns unser Essen geschickt. Schon seit 60 Jahren bekomme ich immer ein halbes Brot; aber bei deiner Ankunft hat Christus seinen Soldaten die Ration verdoppelt.«

Als es nun Nacht geworden war, sagte der hl. Paulus zu Antonius: »Einst wusste ich, mein Bruder, dass du in die­ser Gegend lebtest. Einst hatte mir der Herr einen Mitknecht versprochen, aber weil schon die Zeit meines Heimgangs gekommen ist und weil ich immer gewünscht hatte, aufge­löst zu werden und bei Christus zu sein, bleibt mir jetzt nach vollendetem Lauf die Krone der Gerechtigkeit; so bist du vom Herrn gesandt worden, damit du diesen armseligen Leib der Erde zurückgibst. Geh ans Werk, wenn es dir nicht zu beschwerlich ist! Bring den Mantel herbei, den dir der heilige Athanasius gegeben hat, um damit meinen Leib zu verhüllen!« Antonius wagte nichts mehr zu erwidern, son­dern ging zu seiner Einsiedelei zurück. Endlich erreichte er seine Behausung, nahm den Mantel aus der Kammer, ging hinaus und kehrte auf dem Weg, auf dem er gekommen war, zurück. Als der nächste Tag anbrach, sah er Paulus, umge­ben von Scharen von Engeln, von Chören von Propheten und Aposteln, schneeweiß leuchtend in die Höhe steigen. Als Antonius die Höhle betrat, sah er den toten Leib, die Knie waren gebeugt, das Haupt aufrecht, die Hände nach oben ausgestreckt. Zunächst glaubte er, Paulus sei noch am Leben, und betete ebenfalls. Aber bald erkannte er, worum auch der Leichnam des Heiligen Gott, dem alles lebt, wegen der Hitze bat. Deshalb umhüllte Antonius die Leiche und trug sie hinaus. Nachdem er nach christlicher Überlieferung auch die Psalmen gesungen hatte, war er traurig, weil er keine Hacke besaß, um die Erde auszuheben. Da stürzten plötzlich zwei Löwen herbei und fingen an, ganz in der Nä­he mit ihren Pfoten in der Erde zu scharren. Als sie verschwun­den waren, errichtete er dem Brauche gemäß einen Grabhü­gel. Nachdem aber der nächste Tag angebrochen war, nahm er sich das Gewand des hl. Paulus, das er sich selbst aus den Blättern der Palme wie einen Korb geflochten hatte; an den hohen Feiertagen wie Ostern oder Pfingsten pflegte er von nun an stets das Gewand des Heiligen zu tragen.

Jeden, der dies liest, beschwöre ich, dass er sich des Sünders Hieronymus erinnert. Wenn diesem Gott die Wahl ließe, würde er viel lieber das Gewand des Paulus samt sei­nen Verdiensten wählen als die Purpurkleider der Könige samt ihren Reichen.

Litanei zum hl. Paulus dem Ersten Einsiedler

Kyrie, eleison. Christe eleison. Kyrie eleison.

Christus höre uns. Christus erhöre uns.

Gott Vater im Himmel,                      erbarme Dich unser.

Gott Sohn, Erlöser der Welt,

Gott Heiliger Geist,

Heiliger dreifaltiger Gott,
Heilige Maria, Mutter Gottes ,           bitte für uns.

Heilige Maria, Mutter unseres Ordens,

Heilige Maria, du Hoffnung der Welt,

Heilige Maria du Hilfe auf dem Weg zur Vollkommenheit,

Heiliger Schutzengel, der Du unser Gewissen bewachst,
Heiliger Paulus, du Vater des Paulinerordens,

Heiliger Paulus, du Liebhaber der Einsamkeit,

Heiliger Paulus, du Vorbild der Vollkommenheit,

Heiliger Paulus, du Spiegel der Armut,

Heiliger Paulus, du wahres Vorbild der Demut,

Heiliger Paulus, du Zierde der Keuschheit,

Heiliger Paulus, du treuer Diener des Allerhöchsten Königs,

Heiliger Paulus, du Zuflucht der Versuchten,

Heiliger Paulus, du brennende Feuerflamme der Liebe,

Heiliger Paulus, der Kontemplation ergeben,

Heiliger Paulus, du Vorbild der Besonnenheit und Enthaltsamkeit,

Heiliger Paulus, ergeben der Vorsehung Gottes,

Heiliger Paulus, du Vorbild der Geduld,

Heiliger Paulus, du Mann ohne Klage,

Heiliger Paulus, bewundert durch den hl. Antonius,

Heiliger Paulus, der du sterbend deine Hände zu Gott erhobst,

Heiliger Paulus, durch den Dienst der Löwen nach dem Tode verehrt,

Heiliger Paulus, durch den hl. Antonius begraben,

Heiliger Paulus, von den Engeln in den Himmel getragen,

Auf dass wir im Leben reich werden an guten Werken,        erbitte uns bei Gott.

Auf dass wir unseren Verpflichtungen treu nachgehen,

Auf dass wir Maß halten im Gebrauch der Güter dieser Welt,

Auf dass wir auf den Tod und das Gericht Gottes stets bedacht bleiben,

Auf dass wir in der Nachfolge des gekreuzigten Heilands mit seiner seligsten Mutter vereint bleiben.

Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt, Herr, verschone uns.

Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt, Herr, erhöre uns.

Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt, Herr, erbarme dich.

Bitte für uns, o heiliger Paulus, Erster Einsiedler.

Auf dass wir würdig werden der Verheißungen Christi.

Lasset uns beten.

Herr Gott, der Du bewirkt hast, dass der hl. Paulus, unser Vater, in der Wüste seine Heiligkeit erreicht hat, bewirke durch seine Fürbitte, dass wir uns in der Liebe Dir nähern, indem wir in uns den Geist des Gebetes und des Dienstes entfalten. Durch Christus, unsern Herrn. Amen.