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13.Oktober-Fatimatag

Auf dem Mariahilfberg wurde am Sonntag,  13. Oktober ab 18.25 Uhr, der letzte Fatimatag des Jahres mit Rosenkranz, Festgottesdienst und Andacht mit Lichterprozession begangen. Hauptzelebrant und Festprediger war Pfarrer Michael Witti vom Pfarrverband Feichten.

Die Feierlichkeiten zu Ehren Marias begannen um 18.30 Uhr mit dem Rosenkranz, den Pater Sebastian  vorbetete. Es folgte um 19.00 Uhr der würdevolle Einzug der Konzelebranten und Ministranten in die Kirche. Wallfahrtrektor Pater Paul begrüßte alle Kirchenbesucher, Wallfahrer und Marienverehrer. Als Konzelebranten konnte er neben dem Hauptzelebranten und Festprediger, Pfarrer Michael Witti, den Generalvikar des Bistums, Prälat Dr. Klaus Metzl, und seinen Mitbruder Pater Sebastian willkommen heißen. Dass die Gottesmutter in ihrer mütterlichen Liebe und Sorge um uns Menschen uns alle zu Gott führen wolle, daran erinnerte Pater Paul in seiner Eröffnungsansprache und er fügte den Rat hinzu, wir sollten uns neu für ein Leben mit Jesus Christus entscheiden, denn dann könne Christus auch mit uns etwas anfangen. Dazu empfahl er, „unsere Familien, unser Bistum Passau, aber auch alle unsere Sorgen und Probleme“ der Gottesmutter anzuvertrauen.

Pfarrer Michael Witti drückte seine Freude aus, mit der Mariahilfer Kirchengemeinde Gottesdienst feiern zu dürfen. Er deutete auf Parallelen zwischen der Wallfahrtkirche in Mariahilf und der Wallfahrtsstätte in Feichten hin. Letztere könne auf eine über 1200-jährige Tradition zurückblicken. In beiden Wallfahrtskirchen zeige Maria „ganz mütterlich und ganz menschlich auf den, auf den alles ankommt: Christus“.

Der Festmesse schloss sich eine Lichterprozession an, und zum Schluss versammelten sich die Gläubigen vor dem Altar im Wallfahrtshof, wo der feierliche Schlusssegen erteilt wurde.

Der Mariahilfer Kirchenchor und die Mariahilfer Bläsern umrahmten das Fest musikalisch.

Predigt von Pfarrer Michael Witti aus Feichten:

Meine Lieben,

es war der größte Gottesdienst, den ich je gefeiert habe. Am 8. September haben 760 000 Menschen die Messe in unserer Feichtener Pfarr- und Wallfahrtskirche mitgefeiert. Natürlich waren die nicht alle vor Ort. Das ZDF hat den Sonntagsgottesdienst live übertragen. Im Anschluss daran haben Ehrenamtliche bis in den Nachmittag hinein den Telefondienst übernommen – und sie waren überrascht, wie viele da voller Dankbarkeit angerufen haben. Das waren nicht nur schwer Kranke oder behinderte Menschen, die die eigene Wohnung sowieso nicht mehr verlassen konnten. Es meldeten sich auch einzelne, die in riesigen Seelsorgeeinheiten leben, in denen nur noch weit entfernt sonntags eine Messe gefeiert wird. Wer da auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen ist, hat kaum eine Chance zur Messe zu kommen. Andere Anrufer haben wiederum erzählt, dass sie längst aus der Kirche ausgetreten sind. Es ist ihnen aber immer noch – oder vielleicht sogar mehr denn je – ein Anliegen, den Sonntag christlich zu feiern. So machen sie das nun eben regelmäßig übers Fernsehen.

Mir haben diese Rückmeldungen sehr zu denken gegeben. Vorsichtig geschätzt würde ich sagen, dass Sonntag für Sonntag etwa drei bis fünf Millionen Menschen bundesweit so über die Medien den Sonntag christlich begehen. Sie tauchen in keiner Kirchenstatistik auf. Sie gehören zu einer christlichen Kirche oder sind ausgetreten oder nie getauft worden. Aber ihnen allen ist – auch fern unserer Gottesdienstgemeinden – Jesu Botschaft und die Feier des Sonntages ein Anliegen.

„Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns!“

Dieser Ruf der zehn Aussätzigen aus dem Evangelium könnte auch von manchem dieser Anrufer stammen.

Und wir „braven“ Christen, die sonntags hier die Kirchenbänke füllen, wir urteilen über die Zehn aus dem Evangelium oft ebenso vorschnell und falsch, wie über viele, die aus ganz unter-schiedlichen Gründen den Weg in unsere Kirchen nicht mehr finden oder noch nie gefunden haben.

Das Evangelium lässt ja vermuten, dass neun der Aussätzigen Juden waren und einer dem Volk der Samariter angehörte. Gemäß dem mosaischen Gesetz schickte Jesus alle zu den Priestern. Die mussten sie offiziell für „rein“ erklären, damit sie wieder in die Gesellschaft aufgenommen werden konnten. Und im Tempel sollten sie dann das vorgeschriebene Dankopfer darbringen. Die neun taten also, was das Gesetz ihnen vorschreibt. Sie erfüllten die kultische Pflicht. Sie waren also nicht unbedingt „undankbar“.

Der Samariter aber konnte nicht zu den jüdischen Priestern gehen. Schon gar nicht hätte er im Jerusalemer Tempel ein Opfer darbringen können. Er drehte um, kehrte zu Jesus zurück, dank-te ihm von ganzem Herzen.

Aber auch wenn die neun anderen völlig korrekt gehandelt haben, ist so beim Zehnten, beim Fremden, beim Ungläubigen, doch noch etwas Tieferes geschehen: Er hat nicht nur eine reli-giöse Pflicht erfüllt und einen Kult vollzogen. Bei ihm entstand eine persönliche Beziehung zu diesem Jesus, der ihn geheilt hat. Diese Beziehung konnte alles überwinden, das Juden und Samariter religiös und kulturell doch eigentlich zutiefst getrennt hat.

Wenn die Beziehung zu Jesus die Kraft hat, sogar über die Grenzen von Volkszugehörigkeit, Religion und Kultur zu überwinden, dann ist dieses Evangelium von den zehn Aussätzigen heute in unserem Land aktueller denn je.

Überall in unserem Lande haben sich in diesen Tagen Menschen, Glaubende, wie Nicht-Glaubende versammelt, um Zeichen der Solidarität zu setzen. In München haben Juden, Chris-ten, Muslime und Vertreter weiterer Religionen gemeinsam vor der großen Synagoge um Frieden gebetet. Eine Welle voller Solidarität, Betroffenheit und Scham geht nach dem Terror von Halle in diesen Tagen durch unser Land.

Aber das allein reicht nicht, ist – in Jesu Namen – zu wenig. Es reicht nicht, den Attentäter einzusperren und zu verurteilen. Man muss auch die geistigen Brandstifter beim Namen nennen. Man muss sich eingestehen, wie weit tödliche Hetze und menschenverachtendes Gedankengut längst wieder bis in die Mitte unserer Gesellschaft hinein verbreitet sind.

Hier hilft mir der Blick auf Jesus. Er fragte nicht nach Rasse und Religion. Er hörte einfach nur den Schrei der Menschen nach Hilfe. Er schenkte Heilung. Aber er tat noch mehr:Er stiftete eine tiefe und echte Beziehung, gerade auch zum Fremden, zum „anderen“, zum vermeintlich Ungläubigen.

Meine Lieben,

wir sind heute – mehr denn je – eingeladen und aufgerufen, auf jene zuzugehen, die meinen, wir als Kirche hätten sie längst vergessen und abgeschrieben, so wie es manche unserer Anru-fer nach dem Fernsehgottesdienst empfanden.

Wir sind aber ebenso aufgerufen, überall dort, wo Menschen in ihrer Würde und in ihrem Leben bedroht sind, Zeichen der Solidarität und des Miteinanders über alles vermeintlich Trennende hinweg zu setzen.

Dann gehen wir als Christen in den Fußspuren Jesu. Dann werden wir wirklich seine Jüngerinnen und Jünger. Dann folgen wir dem Ruf Marias bei der Hochzeit zu Kana:„Was er euch sagt, das tut.“

Amen.