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Fatimatag

Mit Rosenkranzbeten, Festgottesdienst und anschließender Andacht wurde am 13. Juni der 2. Fatimatag begangen. Als Hauptzelebrant fungierte Generalvikar Prälat Dr. Klaus Metzl, und Diakon Dr. Anton Cuffari hielt die Festpredigt.

Mit Pater Paul beteten schon ab 18.30 Uhr die Gläubigen den Rosenkranz, bevor die Priester und der Festprediger begleitet von Ministranten und Schola einzogen. Pater Paul begrüßte alle Wallfahrer und namentlich den Hauptzelebranten Generalvikar Prälat Dr. Klaus Metzl, den Festprediger Dr. Anton Cuffari und den Gast Pater Albert aus Indien. Dann empfahl er, alle Sorgen und Probleme der Mutter Gottes anzuvertrauen, weil sie alle, die zu ihr kommen „wie eine gute Mutter behüte“.

Diakon Dr. Anton Cuffari blickte mit Unterstützung des hl. Antonius‘ „mit den Augen des Glaubens auf die Muttergottes (…) um sie besser kennen zu lernen, um sie mehr lieben zu lernen und um (sein) und (unser) Leben noch mehr unter ihren Schutz zu stellen“.

Da die Lichterprozession wieder wegen der Wetterlage abgesagt werden musste, schloss sich dem Festgottesdienst eine Andacht in der Kirche an, die von Pater Paul gestaltet wurde.

Für die musikalische Umrahmung sorgte Frau Huber mit der Mariahilfer Schola und unterstützt vom Mariahilfer Chor.

Predigt von Diakon Dr. Anton Cuffari

Liebe Kinder, liebe Schwestern und Brüder!

Der heutige Tag, der 13. Juni, ist aus zwei Gründen ein besonderer Tag: Zum einen gedenken wir heute in dieser wunderschönen Kirche der Erscheinung Mariens am 13. Mai des Jahres 1917 bei Fatima vor den drei Hirtenkindern Lucia, Jacinta und Francisco. Und zum anderen begehen wir heute den Gedenktag des Hl. Antonius von Padua, der an diesem Tag des Jahres 1231 in Campo San Pietro im Alter von 36 Jahren verstarb. Allen, die den Namen Anton, Toni, Antonia tragen oder einen Namen, der sich davon ableitet, sei an dieser Stelle herzlich zum Namenstag gratuliert! Beide Ereignisse werden verbunden durch die Gestalt Mariens, bei der wir uns versammelt haben, um gemeinsam Eucharistie zu feiern.

Antonius, von dem es heißt, er sei dem Franziskanerorden praedicator, informator, doctor – Prediger, Lehrer, Gelehrter – gewesen, bewirkte bei seinen Predigten wahre Wunder: „Man gab alte Feindschaften auf, Wucherer statteten das ungerechte Gut zurück, und zügellose Menschen gaben ihre bisheriges Lasterleben auf.“  Nicht zuletzt dies hat neben seinem heiligmäßigen Leben dazu geführt, dass er bereits ein Jahr nach seinem Tod heiliggesprochen wurde und vor 70 Jahren durch Papst Pius XII. zum Kirchenlehrer erhoben wurde mit dem Ehrentitel „Lehrer des Evangeliums“.

Gemeinsam mit Antonius, meinem Namenspatron, möchte ich versuchen, mit den Augen des Glaubens auf die Muttergottes zu schauen: um sie besser kennen zu lernen, um sie mehr lieben zu lernen und um mein und Euer Leben noch mehr unter ihren Schutz zu stellen. 5 Marien-Predigten hat Antonius gehalten und sie stichpunktartig in den Jahren 1230-1231 niedergeschrieben. Mitten unter seinen Predigten zu den Festtagen finden sie sich und unterbrechen den Jahreslauf wie es die Marienfeste bis zum heutigen Tag tun.

Die Bedeutung Mariens für uns Menschen sieht Antonius bereits in ihrem Namen angelegt: Den Namen „Maria“ bringt Antonius mit dem lat. Wort mare („Meer“) sowie stella maris („Meerstern“) in Verbindung. Unser Leben, so sagt Antonius, gleicht einem offenen Meer, auf dem wir segeln, „Wogen bedrängen uns und Stürme drohen uns zu versenken. Deshalb heißen wir sie Meeresstern, um mit ihrer Hilfe zum Hafen des ewigen Heils zu gelangen. Sie ist es ja, die uns, wenn wir zu ihr rufen, vom Sturm befreit, den Weg weist und zum Hafen geleitet. Wir (…) aber rufen sie an: Gegrüßt seist du, Maria, weil wir vom Antlitz Gottes in dieses Meer verschlagen, zu jeder Stunde von Stürmen bedrängt und stets am Rande des Todes sind.“

Maria selbst wird von den Stürmen und Wogen des irdischen Lebens nicht verschont. Von der wunderbaren Verkündigung der Geburt ihres Sohnes Jesus, über die Geburt bis zum grausamen Tod Jesu am Kreuz vor ihren Augen – Maria bleibt nichts erspart.

„Maria,“ so sagt Antonius, „bedeutet [auch] bitteres Meer. Sie trägt diesen Namen nicht etwa, weil sie bittere Reuetränen hätte weinen müssen, sondern weil sie im Hinblick auf das Leiden ihres Sohnes nach ihrem bitteren Schmerz  benannt wurde, indem ihr Name gleichsam ihr künftiges Leid vorhersagte. (…) Jener Schmerz, den Maria beim Leiden ihres Sohnes erlitt, war gleichsam ein Schwert, das ihre Seele durchdrang. (…) Um ihres Sohnes Leidens willen sollen wir aber auch mit Maria trauern.“

Der Tod Jesu und die Trauer der Mutter ist eine Aufforderung an uns, mit ihr zu trauern und aufmerksam zu sein für die Trauer unserer Mitmenschen. Wer sich anrühren und berühren lässt, der macht sich verletzlich. Aber es führt kein anderer Weg zu Gott als der, dass wir uns öffnen und mit Maria sagen: „Mir geschehe nach deinem Wort.“

Antonius weist darauf hin, dass uns in der Gestalt Mariens das vollkommene Christsein als Vorbild geschenkt ist. In ihrem Leben verwirklicht Maria das, was wir in der heutigen Zeit vollkommen verlernt haben und uns mühsam wieder erarbeiten müssen: ein ausgewogenes Verhältnis von einem tätigen Leben mit einem geistlichen Leben, von einer vita activa mit der vita contemplativa. Der Heilige Antonius erkennt das schon vor nahezu 800 Jahren und bemerkt dazu: „Die allerseligste Jungfrau [Maria] vereinigte in sich das tätige und beschauliche Leben, denn sie war gleichsam Maria und Martha zugleich. Martha war sie, da sie nach Ägypten floh und von dort heimkehrte, Maria aber, da sie all diese Wort behielt und in ihrem Herzen erwog (Lk 2,20).“

Die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel sieht Antonius in Ps 131,8 vorausgedeutet: „Es heißt im Psalm [131,8]: ‘Brich auf , Herr, zu deinem Ruheort, du und deine machtvolle Lade.‘  Der Herr brach auf, da er in den Himmel auffuhr zur Rechten seines Vaters. Auch seine machtvolle Lade brach auf, da an diesem Tage „die jungfräuliche Mutter zum himmlischen Gezelte aufgenommen wurde“.

Und die Krönung Mariens deutet Antonius als Heilshandeln Gottes stellvertretend für alle Menschen an Maria. Daher dürfen wir mit Antonius bitten: „Wir bitten dich, unsere Herrin, erhabene Mutter Gottes, ‚die du über alle Chöre der Engel erhöht bist‘, erfülle unser Herz mit himmlischer Gnade. Lass es leuchten im Golde der Weisheit. Festige es durch deine starke Macht und ziere es mit dem Geschmeide der Tugenden. Du bist der gebenedeite Ölbaum; gieße über uns das Öl deiner Barmherzigkeit, dass sie die Menge der Sünden zudecke (1Petr 4,8), damit wir, zur erhabenen Herrlichkeit des Himmels erhoben, an der Heiligen Seligkeit teilzunehmen verdienen.“

Marienfrömmigkeit und Marienverehrung, liebe Schwestern und Brüder, sind nicht Kennzeichen einer lebensverneinenden Grundhaltung oder einer Frömmigkeitsform, die als überholt anzusehen ist. Im Gegenteil.

Maria als Vorbild lehrt uns die Haltung der Offenheit – Offenheit für das, was Gott mit uns vor hat. Sie lehrt uns die Haltung der Dankbarkeit gegenüber dem wunderbaren Handeln Gottes in unserem Leben. Sie lehrt uns das rechte Schauen auf das, was Wesentlich ist und auf den ersten Blick unverständlich und sinnlos erscheint. Sie ermutigt uns, nicht weg zu schauen vor dem Leid – so wie sie nicht weg geschaut hat vor dem Leid ihres Sohnes Jesu. Maria war da. Auch in ihrem Nichts-tun-Können hat sie alles getan.

So führen Marienfrömmigkeit und Marienverehrung nicht etwa weg vom Leben, sondern hin zum wahren Leben, nicht weg vom Menschen, sondern hin zum wahren Menschsein. Auf diese Weise gewinnt unser Handeln Tiefe und wir können unserem Nächsten anders begegnen – mit offenem Herzen und ohne falsche Absicht.

„Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab.“ (Mt 5,42) So unterweist Jesus die Jünger bei der Bergpredigt und mit diesen Worten entlässt uns das heutige Evangelium. Maria hat danach gelebt. Und wir?

An Maria dürfen wir uns orientieren. Wir dürfen auf ihr Leben schauen, indem wir die Bibel lesen, ein Marienbild betrachten, den Rosenkranz beten oder an einer Prozession zu ihren Ehren teilnehmen. Danken wir Gott, dass er uns Maria geschenkt hat, danken wir Maria für ihr „Ja“ zu Gott und danken wir den Kindern Lucia, Jacinta und Francisco für ihren Mut und ihr Zeugnis.

Maria, du einfache Frau aus dem Volk, dich hat Jesus im Himmel gekrönt.  Mit den Worten des Hl. Antonius „bitten [wir] dich, unsere Herrin, unsere Hoffnung, leuchte du uns Bedrängten als Meeresstern auf dem stürmischen Meere. Geleite uns zum sicheren Hafen. Beschütze uns im Tode mit deiner Gegenwart, damit wir in Sicherheit (…) und in Freude zur unaussprechlichen Wonne gelangen.“

Amen.