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Fatimatag

Besonders feierlich wurde auch der zweite Fatimatag, am Dienstag, dem 13. Juni in der Wallfahrtskirche Mariahilf begangen. Dem Rosenkranz um 18.25 Uhr folgte die Hl. Messe ab 19.00 Uhr – mit Pfarrvikar Dr. Manuel Schlögl als Hauptzelebranten und Festprediger -, der sich eine Andacht mit Lichterprozession und Eucharistischem Segen anschloss.

Gut besucht war bereits der Rosenkranz, den Pater Sebastian vorbetete. Zu Beginn der Hl. Messe begrüßte Wallfahrtsrektor Pater Paul die zahlreichen Gläubigen und namentlich den Hauptzelebranten und Festprediger Pfarrvikar Dr. Manuel Schlögl aus Passau sowie die Mitzelebrierenden Dr. Emil Valasek und Pater Sebastian. Die Gläubigen ermunterte Pater Paul, sich mit allen Sorgen und Nöten an die Mutter Jesu Christi zu wenden.

Dass er der Einladung gerne gefolgt sei, versicherte der Pfarrvikar, denn mit der Wallfahrtskirche Mariahilf verbinde er nicht nur den Trauungsort seiner Eltern, sondern auch so manche eigene Sakramentenspendung bei Taufen und Hochzeiten. Und Mariahilf sei ein Ort, „an dem viele Menschen die Nähe Gottes besonders erfahren.“

Der Hl. Messe folgte der gemeinsame Auszug aus der Kirche zum Freialtar im Wallfahrtshof, anschließend die Lichterprozession über den Wallfahrtsweg mit Station an der Mariensäule. Nach Verehrung und Anbetung des Allerheiligsten Altarsakraments im Wallfahrtshof erteilte Pater Paul den Eucharistischen Segen. Mit dem gemeinsam gesungenen Marienlied „Segne du, Maria“ endeten die Feierlichkeiten.

Kirchenmusikerin Frau Eugenie Erner sorgte für die passende musikalische Gestaltung von Festmesse, Andacht und Lichterprozession. Unterstützt wurde sie von drei jungen Vorsängerinnen der Frauenschola.

Festpredigt von H.H. Pfarrvikar Dr. Manuel Schlögl, Passau

In den vergangenen Wochen war ich zu mehreren Geburtstagsfeiern eingeladen. 40, 80 oder 90 Jahre wurden gefeiert. Und ich dachte mir: was wäre unser Leben ohne solche Geburtstagsfeiern, ohne das Innehalten und Zurückschauen, das einem wieder Kraft und Mut gibt zum Weitergehen? An Geburtstagen spürt man, was einen mit anderen verbindet, was das eigene Leben trägt und schaut mit Vertrauen nach vorne.

Der 100. „Geburtstag“ der Marienerscheinungen in Fatima lädt uns in diesem Jahr auch ein zu mancher Feier, in München, in Altötting oder hier auf dem Mariahilfberg. Nun sind die Fatima-Tage nichts Neues, und auch die Botschaft der Gottesmutter kennen die meisten von uns schon recht gut. Trotzdem macht es Sinn, einmal wieder hinzuhören und hinzuschauen, was Maria uns als Kirche heute sagen will. Maria, das zeigt uns Fatima ganz deutlich, ist keine Gestalt der Vergangenheit, die irgendwann gelebt hat, über die einmal Dogmen verkündet wurden und die man noch in ein paar Liedern besingt, die unserer modernen Welt aber nichts weiter zu sagen hätte. Maria ist eine prophetische Frau, die teilhat am Heilsplan Gottes, die aus der Gegenwart Gottes heraus immer wieder eintritt und eingreift in unser Leben, um uns mit Gott in Berührung zu bringen. Worum geht es Maria in Fatima?

Die erste und wesentliche Botschaft heißt: Umkehr. „Bittet für die Bekehrung der Sünder“, sagt Maria den Kindern bei der 1. Erscheinung. Mit dieser Botschaft ist auch Jesus Christus angetreten: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium.“ (Mk 1,15) Wir sehen heute recht gut, dass es keine Selbstverständlichkeit mehr ist, Christ zu sein, die Gebote Gottes zu achten, die Lehre der Kirche als Vorgabe für mein eigenes Leben zu sehen. Es ist viel leichter, mit dem Strom der Mittelmäßigkeit zu schwimmen, weil ja viele andere genauso denken und handeln.

Jesus wird ein „Zeichen sein, dem widersprochen wird“ (Lk 2,34), prophezeit der greise Simeon im Evangelium. Diesen Widerspruch erleben wir in unserer Umgebung, vielleicht auch in uns selber. Leben wir wirklich so, wie wir wollen? Ist unsere Zugehörigkeit zu Christus und seiner Kirche wirklich das Erste und Tragende in unserem Leben? Wo betrifft die Aufforderung zur Umkehr mein eigenes Leben? Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass gerade Menschen außerhalb der Kirche ein feines Gespür dafür haben, ob wir als Christen glaubwürdig sind, ob wir hinter dem stehen, was wir glauben und von anderen fordern.

So geht die erste in die zweite Botschaft über: das Kreuz mittragen. „Seid ihr bereit, alle Leiden anzunehmen zur Sühne für die Sünden?“, hat Maria die Kinder gefragt, und die Kinder haben mit Ja geantwortet. Wir wissen, wie Jacinta und Francisco bald schwer krank wurden und ihr Leiden wirklich Gott dargebracht haben, um seinem Auftrag zu dienen und Menschen vor dem Unheil zu bewahren. Maria hat von den Kindern nichts verlangt, was sie nicht selber auf sich genommen hätte. „Dir wird ein Schwert durch die Seele dringen“ (Lk 2,35), hat Simeon ihr vorausgesagt. Und dieses Schwert steckt noch heute in ihrer Seele, überall dort, wo Menschen den Glauben an Gott verlieren oder wo er ihnen durch eine areligiöse Erziehung bewusst vorenthalten wird. „Die Seelen retten“, ist ein Grundwort der Botschaft von Fatima und sollte auch ein Anliegen in unserem Gebet sein. Es geht nicht nur um unser Heil, es geht um das Heil der Welt. Dafür ist Jesus gestorben, dafür leidet Maria.

Man muss das Lied nicht suchen. Ich denke, in jedem Leben gibt es Bereiche, in denen man Leid trägt an Leib und Seele, an gespannten Beziehungen oder der eigenen Unfähigkeit. Dieses Leiden anzunehmen, es hier in der Kirche vor Gott zur Sprache zu bringen und es dann auf den Altar zu legen, es aufzuopfern für das Heil anderer – das ist der tiefste Sinn unseres Lebens als Christen, da kehren wir wirklich um und kommen Christus nahe. Auch bei Maria ist ja nicht ihr eigenes Können, sondern ihre bedingungslose Nähe zu Christus das Maß ihrer Wirksamkeit im Erlösungsgeschehen. Dass es in Fatima gerade Kinder waren, die diese Botschaft bekamen, sollte uns viel Mut machen. Es ist sozusagen „kinderleicht“, es braucht keine großen Fähigkeiten, es braucht nur unser Ja zu Gott und seinem Heilswillen. Vielleicht können wir heute wieder neu dieses Ja zu Gott in unserem Herzen finden und aussprechen.

Dass sich die Botschaft von Fatima so schnell verbreitete, hängt schließlich mit einem dritten zusammen: dem Sonnenwunder. 70 000 Menschen haben es damals beobachtet und als „Zeichen des Himmels“ verstanden. Es geht mir dabei nicht in erster Linie um das Wunder, sondern um das Zeichen, mit dem die Schöpfung selber Zeugnis gibt von Gott, von seiner Macht und Güte.

Auch in diesem Jahr gibt der Himmel ein Zeichen. Wahrscheinlich wissen einige von Ihnen, dass sich in diesen Monaten eine ganz seltene Sternenkonstellation am Himmel befindet: der Planet Jupiter verweilt für 9 Monate im Sternzeichen der Jungfrau, ehe er weiterzieht, darüber formen 12 andere Sterne so etwas wie eine Krone oder einen Kranz. Am Himmel ist also sichtbar, was Johannes in der Geheimen Offenbarung vorhergesagt hat: die Jungfrau, hinter ihr die Sonne, unter ihr der Mond, eine Krone von 12 Sternen über ihrem Haupt.

Ich verstehe dieses Zeichen so: es will uns sagen, dass Gott auch in unserer von Terror und Gewalt gezeichneten Zeit die Welt in seiner Hand hält. Er lässt uns nicht fallen. Er hat uns Maria gegeben als Helferin und Fürsprecherin, als Mittlerin und Gefährtin durch die Gefahren dieser Zeit. In ihr großes Ja zu Gott und seinem Heilsplan stellen wir unser kleines Ja hinein. Und wir bitten sie, dass sie uns hilft, uns Gott wieder neu zuzuwenden, das Kreuz mitzutragen und so mitzuhelfen bei der Erlösung der Welt.