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Gelöbniswallfahrt der Stadt Passau

Am Festtag Mariä Namen – Donnerstag, 12. September – zogen um 20.00 Uhr  wieder viele Christen aus der Stadt, dem Landkreis und dem benachbarten Österreich in einer Lichterprozession zur Gnadenmutter auf den Mariahifberg, um dort mit einer Andacht Maria zu verehren. Die Leitung der Andacht und die Ansprache hatte Domprobst Dr. Michael Bär übernommen.

Die Glocken von Mariahilf geleiteten die Pilger den Mariahilfberges hinauf. Im Wallfahrtshof  eröffneten die Mariahilfer Bläsern und der Mariahilfer Chor die Andacht musikalisch.  Domprobst Dr. Michael Bär begrüßte die Pilger, allen voran Bischof Stefan, seine Mitbrüder aus dem Domkapitel und aus der Stadt Passau und alle Wallfahrerinnen und Wallfahrer. Er bedankte sich bei den Teilnehmer der Wallfahrt, die treu das Gelöbnis der Passauer zum Ende des Zweiten Weltkrieger, dass die Stadt vor größerer Zerstörung verschont blieb, eingelöst haben: „Die Verlässlichkeit und die Treue in diesen Gelöbnissen ist (…) eine Botschaft, die zu Maria und zu unserem Herrgott dringt.“.

Der Festansprache schlossen sich die Fürbitten und die Verehrung des Allerheiligsten an. Nach dem feierlichen Eucharistischen Segen machten sich die Pilger wieder auf dem Heimweg.

Ansprache von Domprobst Dr. Michael Bär:

Liebe Schwestern und Brüder,

am 1. September vor 80 Jahren begann der Zweite Weltkrieg mit dem Überfall auf Polen. Die erste Nachricht davon war bereits die erste Lüge dieses Krieges. „Seit 5.45 Uhr wird zurückgeschossen.“, verkündete Adolf Hitler und wollte damit diesem unseligen Krieg das Prädikat des Verteidigungskampfes aufprägen. Alles Lüge!

Ein weiser Mann hat einmal gesagt: Der Krieg beginnt mit der Umkehrung der Wahrheit, die Worte stimmen nicht mehr, die Lüge macht sich breit. Auch aus meiner Familie waren viele junge Männer in diesem Krieg, einige sind nicht mehr zurückgekehrt. Die Erzählungen über den Krieg gehören zu meiner Kindheit. Immer habe ich mich gefragt und frage mich heute noch: Wieso sind so viele in diesen Krieg gezogen, wieso haben sie sich nicht massiv geweigert? Es wird mir immer klarer: Zum einen waren sie der Macht ausgeliefert, der Masse, aus der Einzelne kaum ausscheiden können, der Drohung von Gewalt, die vor 80 Jahren die Obrigkeit noch mit größter Selbstverständlichkeit ausgesprochen hat, wenn man ihr nicht folgt. Es gab keinen Ausweg. Zudem wurden alle belogen: Das Heldenhafte des Krieges wurde verherrlicht. Die Notwendigkeit des Lebensraums im Osten wurde eingetrichtert. Aus Völkern und Rassen wurden Untermenschen gemacht, Krieg gegen sie wäre ein Dienst an der Menschheit. Sie auszurotten würde bedeuten, die Welt besser zu machen. Monströse Lügen beherrschten diese unseligen Jahre.

Der Widerstand hielt sich in Grenzen. Ich erinnere an den Innviertler Bauern und Mesner Franz Jägerstätter. Er konnte es mit seinem Glauben und seinem Gewissen nicht vereinbaren, in den Krieg zu ziehen. Priester, ja sogar der Bischof versuchten ihn umzustimmen, um ihn und seine Familie zu retten. Er brachte es nicht übers Herz, er erkannte dieses Lügenwerk und konnte sich ihm unter keinen Umständen ausliefern. Er ging dafür in den Tod. Wegen „Wehrkraftzersetzung“ starb er unter dem Fallbeil. Selbst in seinem Heimatdorf hatte er viele Gegner. Warum drückt er sich vor dem Kriegsdienst? All die anderen müssen doch auch aufs Schlachtfeld hinaus? Sie haben ihn nicht verstanden. Heutzutage verehren wir ihn als Seligen. Er schlug für sich eine Schneise durch das Lügengestrüpp.

Liebe Schwestern und Brüder, die derzeitige Weltlage kann nicht als stabil bezeichnet werden. Vor allem im Nahen Osten stehen sich Machtblöcke gegenüber. Im Fernen Osten erstarkt China zusehends. In der Vergangenheit konnten wir uns auf den großen Bruder Vereinigte Staaten verlassen, doch diese Zeiten sind vorüber. Auch von dort erreichen uns, wenn schon nicht Lügen, so doch sogenannte Fake News. Nachrichten, denen wir nicht vertrauen können. Ich bin froh über ein geeintes Europa, das in der Geschichte, einer Geschichte von unzähligen Kriegen, wohl gelernt hat, den Frieden über alles zu lieben. Ich bin froh über die enorme Zurückhaltung Deutschlands, wenn es darum geht, sich an Einsätzen in Kriegsgebieten zu beteiligen und seien sie noch so friedlich in Anführungszeichen. Ich bin froh über eine Politik, die die Diplomatie über die Waffen stellt und den Krieg nicht als Mittel für die Durchsetzung von Interessen einsetzt. Ich bin froh über jeden Politiker, der die Wahrheit sagt.

Liebe Schwestern und Brüder, wir sind heute den Mariahilfberg heraufgezogen, um das Gelöbnis der Stadt Passau aus dem Jahr 1945 einzulösen: Wenn die Stadt verschont bleibt, dann pilgern wir zur Gottesmutter und danken ihr. Wir glauben, dass sie ihren mütterlichen Schutzmantel über Passau ausgebreitet hat, die Königin des Friedens.

Wir kennen die Bilder, auf denen sie die Schlange besiegt. Die Schlange ist das biblische Urbild der Versuchung und der Lüge. Maria aber steht in der Wahrheit. Der Bote Gottes kommt zu ihr und bringt ihr die Nachricht, die wahr ist. Sie wird Jesus zur Welt bringen, der von sich sagen wird: Ich bin die Wahrheit. Wer sich ihm anvertraut, dem kann die Lüge nichts anhaben; er steht nicht im Dunkel der Unaufrichtigkeit, sondern im hellen Licht der Wahrheit. Wer der Frohen Botschaft folgt, ihr glaubt, der ist gewappnet gegen die Fake News der Welt, die stets auf das Eigenwohl zielen und sich selber an die erste Stelle setzen. First. First. First. So kann kein Friede gelingen. Maria sagt vielmehr: Ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe, wie du es gesagt hast.

Liebe Schwestern und Brüder, mein Vater war als Soldat stationiert in der Stadt Caen in der Normandie. Noch Jahrzehnte nach dem Krieg hatten wir besten Kontakt zu der Familie, wo er einquartiert war. Keine Ressentiments, sondern Freundschaft. Das hat mir schon als Kind Hoffnung gemacht, dass der Krieg sich aus der Welt zurückzieht, dass der Friede bleibt und die Freundschaft.

Wir sind gläubige Christen, Hörer der Wahrheit. Unsere Lieder, unsere Gebete, unsere Frohe Botschaft erfüllen die Welt mit heilsamer Wahrheit und drängen die Lüge zurück. Das ist unser Beitrag für den Frieden, den die Welt so sehr braucht.

Amen.