Gelöbniswallfahrt der Stadt Passau am Fest „Mariä Namen“

Zahlreiche Gläubige aus der Stadt Passau, dem Landkreis und dem benachbarten Österreich haben am Samstag, 12. September, an der traditionellen Gelöbniswallfahrt der Stadt Passau nach Mariahilf teilgenommen. Mit den Pilgern machten sich auch Bischof Dr. Stefan Oster, Vertreter des Domkapitels, Geistliche sowie Ordensleute auf den Weg zum Mariahilfberg.

Noch vor 21.00 Uhr erreichte die Prozession die Wallfahrtskirche. Im Wallfahrtshof schloss sich die eucharistische Andacht mit Festpredigt an. Pater Miroslav Jonjic OFM, Pater im Pfarrverband Passau-Ilzstadt, stellte in seiner Ansprache die Beziehung des heiligen Franziskus von Assisi zur Gottesmutter Maria in den Mittelpunkt. Anlässlich des 800-jährigen Gedenkens an den Tod des heiligen Franziskus verwies er auf dessen Leben als Mensch der Suche. Eine entscheidende Erfahrung habe Franziskus in San Damiano gemacht, wo er vor dem Kreuz betete und den Auftrag empfing: „Franziskus, baue meine Kirche wieder auf.“ Was zunächst wie ein Auftrag zum Wiederaufbau eines Kirchengebäudes erschien, wurde für Franziskus zum Ruf, an einer lebendigen Kirche mitzuwirken. Eine besondere Bedeutung gewann für Franziskus, so berichtete Pater Miroslav, die von ihm wiederaufgebaute kleine Kirche Santa Maria degli Angeli, die Portiunkula. Immer wieder kehrte Franziskus an diesen Ort der Marienverehrung zurück. Dort habe die franziskanische Bewegung ihren Anfang genommen, und dort starb der Heilige. In diesem Zurückkehren zur Mutter Gottes sah Pater Miroslav eine Verbindung zur Wallfahrt nach Mariahilf: Auch die Pilger hätten sich auf den Weg zu Maria gemacht, um bei ihr neu zu Christus zu finden – „zur Quelle des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe“. Deshalb empfahl Pater Miroslav den Wallfahrern: „Danken wir heute nochmals gemeinsam und beten wir, dass Gott uns auf die Fürsprache des hl. Franziskus im Haus unserer Königin und Gottesmutter Maria segne.“.

In seiner Predigt zeigte Pater Miroslav auf, was die marianische Spiritualität des heiligen Franziskus für unser christliches Leben bedeuten kann. Maria sei für Franziskus nicht lediglich Gegenstand besonderer Verehrung gewesen. Vielmehr habe er in ihr das vollkommene Vorbild eines Lebens aus dem Evangelium erkannt. Im Zentrum stünden dabei die Menschwerdung Christi und sein Leiden am Kreuz. Bei der Verkündigung nahm Maria das Wort Gottes an, trägt Christus in ihrem Herzen und Leib und bringt ihn zur Welt. Darin könne sie zum Vorbild für jeden Christen werden, der das Gottes Wort hört, es annimmt und Christus durch sein eigenes Leben zu den Menschen trägt. Auch die Verbindung von Menschwerdung und Eucharistie sei für die franziskanische Spiritualität von Bedeutung. Maria stehe beispielhaft für eine Haltung des Empfangens, der Anbetung, der Dankbarkeit und der Hingabe. Doch Maria habe ihren Sohn nicht nur in den freudigen, sondern auch in den leidvollen Stunden begleitet. Gerade hier werde die franziskanische Dimension der Marienverehrung sichtbar: Wer mit Maria unter dem Kreuz stehe, könne die Augen nicht vor dem Leid der Menschen verschließen. Und darin liege eine wichtige Botschaft franziskanischer Marienverehrung: Maria führe nicht von Christus weg, sondern immer tiefer zu ihm und zugleich zu den Menschen, die seiner Nähe und der Barmherzigkeit bedürfen. Für den heiligen Franziskus sei Maria deshalb, so Pater Miroslav, „das vollkommenste menschliche Vorbild des Lebens nach dem Evangelium“: „Sie empfängt das Wort, trägt Christus, bringt ihn der Welt, begleitet ihn in Armut und Kreuz und wird zum Raum seiner Gegenwart und seiner Barmherzigkeit.“ Damit werde die Verehrung Mariens zu einem Weg der eigenen Christusnachfolge. „Eine solche marianische Dimension des christlichen Lebens und der Spiritualität, die vom Evangelium durchdrungen ist, ist dann wahrhaftig ein Weg der Nachfolge, zu der alle Jünger Jesu berufen sind“, betonte Pater Miroslav. Die Wallfahrt nach Mariahilf müsse deshalb mehr sein als ein traditioneller Brauch. Sie könne zu einer inneren Erneuerung führen und daran erinnern, wohin der Weg des Glaubens führt: zu Christus.

Vor dem eucharistischen Segen dankte Dompropst Dr. Michael Bär Pater Miroslav Jonjic für seine Predigt, die mit der Betrachtung von Menschwerdung und Kreuz die franziskanische Spiritualität eindrücklich erschlossen habe. Sein „Vergelt’s Gott“ galt ebenso allen, die im liturgischen Dienst mitgewirkt hatten, sowie der musikalischen Gestaltung durch die Bläsergruppe Mariahilf ob Passau unter der Leitung von Michael Beck und den Chor unter der Leitung der stellvertretenden Domkapellmeisterin und Mariahilfer Kirchenmusikerin Brigitte Fruth. Besonders dankte er den Paulinerpatres und Bruder Christoph für ihren treuen Dienst auf dem „Heiligen Berg“ und ihre Gastfreundschaft. Mit guten Wünschen für den Heimweg verabschiedete Dompropst Dr. Bär die Wallfahrer. Den anwesenden Frauen und Mädchen mit dem Namen Maria gratulierte er zum Namenstag und wünschte ihnen Gottes reichen Segen auf die Fürsprache der Gottesmutter.