Fatimatag
Am Sonntag, dem 13. September, wurde in der Wallfahrtskirche Mariahilf in Passau der fünfte Fatimatag des Jahres gefeiert. Der Festabend begann um 18.25 Uhr mit dem Rosenkranz, anschließend folgte die Heilige Messe. Hauptzelebrant und Festprediger war Pfarrer Martin Prellinger aus dem Pfarrverband Passau-Ilzstadt.
Prior Pater Jakob begrüßte die Gläubigen und erinnerte an die besondere Bedeutung des Fatimatages. Maria sei „unter allen Geschöpfen das große Meisterwerk der Allerheiligsten Dreifaltigkeit“. Er lud die Mitfeiernden ein, sich vertrauensvoll an Maria zu wenden und um ihre Fürsprache und Begleitung zu bitten. Pfarrer Prellinger nahm in seiner Begrüßung humorvoll Bezug auf seine Anreise „über die drei Flüsse und die drei Brücken“ zur Wallfahrtsstätte. Nach seiner Teilnahme an der Gelöbniswallfahrt am Vortag freute er sich, erneut in Mariahilf zu sein.
In seiner Predigt knüpfte Pfarrer Prellinger an persönliche Erinnerungen an eine Reise nach Fatima vor zehn Jahren an. Besonders beeindruckt hätten ihn dort die Stille, die Gebetsatmosphäre und die tiefe Andacht. Aus dieser Erinnerung entwickelte Pfarrer Prellinger den zentralen Gedanken seiner Predigt: Es gibt Nachrichten, die wir nicht vergessen dürfen. Doch die Fülle an Informationen mache es zunehmend schwer, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, sodass Entscheidendes leicht überhört werden könne. Deshalb lenkte Pfarrer Prellinger den Blick auf die Botschaft von Fatima: Bekehrung, Glaube, Gebet und Frieden. Diese Botschaft dürfe im alltäglichen Nachrichtenstrom ebenso wenig untergehen wie die Botschaft des Tages-Evangeliums, insbesondere die Botschaft von der Vergebung.
Die Botschaft von Fatima sei eine Einladung zur Umkehr und zur Hinwendung zu Gott. So zeige die Gottesmutter Maria, dass der Glaube immer wieder dazu herausfordere, sich Gott und den Menschen zuzuwenden. Ihr eigenes Ja zu Gott könne dabei zum Vorbild für das eigene Ja werden. Damit verbinde sich die persönliche Frage, ob man bereit sei, den Weg zu gehen, auf den Gott einen stelle, und ob man ihm wirklich vertrauen könne. Ebenso müsse sich die Beziehung zu Gott in der Hinwendung zu den Menschen zeigen – unabhängig davon, wer sie seien, was sie glaubten oder wie sie lebten.
Im weiteren Verlauf seiner Predigt ging Pfarrer Prellinger darauf ein, welche Wege die Kirche heute gehen müsse. Es brauche Räume, in denen Menschen ihren Glauben erfahren dürften und Suchende entdecken könnten, dass mit einem Gott zu rechnen sei, der nicht einfach den eigenen Vorstellungen und Wünschen entspreche. Dabei verwies er auf den Auftrag des Zweiten Vatikanischen Konzils, „nach den Zeichen der Zeit zu forschen und sie im Licht des Evangeliums zu deuten“. Da Glaube sowohl Gottessuche als auch Menschennähe bedeute, müsse die Kirche den Menschen in ihren konkreten Lebenssituationen begegnen – in Freude und Hoffnung ebenso wie in Trauer und Angst. Wer aufmerksam auf die Lebens- und Leidensgeschichten der Menschen höre, könne darin auch Gott begegnen. So wie Jesus den Menschen nahe gewesen sei, müsse auch die Kirche heute ihre Aufmerksamkeit auf die Menschen und ihre Lebensgeschichten richten.
Da mit der Botschaft von Fatima zugleich Verantwortung verbunden sei, erinnerte Pfarrer Prellinger an Papst Franziskus und dessen Enzyklika „Laudato si’“, in der die Sorge um das gemeinsame „Haus der Schöpfung“ mit dem Einsatz für mehr Gerechtigkeit verbunden werde. Auch der Umgang mit den technischen Entwicklungen unserer Zeit sei von Bedeutung. Gerade in einer von künstlicher Intelligenz geprägten Welt müsse der Dienst der Technologie am Menschen im Vordergrund stehen – nicht der Mensch im Dienst der Technologie.
Eindringlich sprach Pfarrer Prellinger über den Frieden. Er machte deutlich, dass Konflikte nicht durch Hass und Ausgrenzung gelöst werden könnten. Vielmehr brauche es die Bereitschaft zuzuhören, miteinander zu reden, in den Dialog zu treten und Vergebung zu ermöglichen. Wahrheit, Trost und Gerechtigkeit müssten mehr Raum bekommen. Die Kirche habe dabei die Aufgabe, Stimme der Verwundeten und Verfolgten zu sein und für die Würde jedes Menschen einzutreten. Es gehe darum, den Glauben in Beziehung, Liebe, Mitgefühl und Verantwortung zu leben und zugleich der Wahrheit treu zu bleiben. „Gott begegnet uns im Menschen“ – und wer Gott begegnen wolle, müsse deshalb auch beim Menschen ankommen.
Die Erinnerung an Fatima lasse sich so in eine aktuelle Botschaft übersetzen: Gott ist mit mir. Gott ist mit uns. Und diese Botschaft dürfe nicht nur Erinnerung bleiben, sondern müsse als gute Nachricht in unsere Zeit und zu den Menschen von heute getragen werden. Die Botschaft von Fatima – Bekehrung, Glaube, Gebet und Frieden – sei damit nicht nur eine Botschaft für die drei Kinder von Fatima vor mehr als 100 Jahren, sondern auch ein Auftrag an uns heute.
Nach dem Gottesdienst dankte Pater Jakob allen Mitwirkenden, besonders Pfarrer Prellinger, der stellvertretenden Domkapellmeisterin Frau Brigitte Fruth, der Bläsergruppe Mariahilf ob Passau unter der Leitung von Herrn Michael Beck sowie den Ministranten, Lektoren, der Fotografin und allen Gläubigen. Den Schülerinnen und Schülern wünschte Pater Jakob einen guten Start ins neue Schuljahr und Gottes Segen.
Wegen des Regens musste die geplante Lichterprozession entfallen. Stattdessen fand die eucharistische Andacht in der Wallfahrtskirche statt.
